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		<title>Maskierte Winkekatzen</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 10:52:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor einigen Jahren besuchte ich eine bolivianische Familie und wollte Postkarten nach Hause schreiben. Ich saß auf dem Bett, denn einen Schreibtisch gab es nur im Elternschlafzimmer, vollgestellt mit Kosmetik und Parfumflakons, ein anderer, mit Computer, stand im Wohnzimmer, dort konnte ich mich nicht konzentrieren, dort war das Zentrum der Familie. Also balancierte ich die Postkarten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor einigen Jahren besuchte ich eine bolivianische Familie und wollte Postkarten nach Hause schreiben</strong>. Ich saß auf dem Bett, denn einen Schreibtisch gab es nur im Elternschlafzimmer, vollgestellt mit Kosmetik und Parfumflakons, ein anderer, mit Computer, stand im Wohnzimmer, dort konnte ich mich nicht konzentrieren, dort war das Zentrum der Familie. Also balancierte ich die Postkarten auf meinen Knien, Adressbuch daneben und versuchte mit Kuli einige Zeilen festzuhalten. Das war fast unmöglich, denn immer wieder kamen Familienmitglieder zu mir und fragte mich, ob ich mich nicht zu ihnen setzen wolle. <strong>Ich könne da doch nicht so alleine sein.</strong> Für sie war es unverständlich, warum ich mich absonderte in einem abgedunkelten Raum und schweigen wollte.<span id="more-702"></span></p>
<p>Ich lernte in meiner Postkarten-Situation, wie individualistisch meine Kultur ist und wie gemeinschaftlich eine andere. Das nächste Mal schrieb ich meine Karten in Gesellschaft und die kleine dreijährige Tochter malte ein paar Striche dazu. So kamen wir zusammen.</p>
<p><strong>Wie lernt man andere Kulturen kennen? Wie überwindet man Stereotype?</strong> Ich glaube immer mehr, dass das durch die Begegnung mit Menschen, durch die Annäherung an ihren Alltag am einfachsten ist. Genau diese dialogische Annäherung versuchen wir seit Juni mit dem zweisprachigen Blog <a href="http://www.superdemokraticos.com" target="_blank">Los Superdemokraticos</a>. Hier schreiben 20 Autorinnen und Autoren über das, was sie bewegt, in 12 Ländern, auf 3 Kontinenten. Um diesen Dialog auch in der Echtzeit stattfinden zu lassen, dort, wo wir wohnen, veranstalten wir jeden Monat eine Party, einen so genannten Sommersalon, an Orten, an denen in Berlin lateinamerikanische Kultur stattfindet. Im Juni spielten im Acud die Bands Sudaca Power (Berlin) und El mató a un policía motorizado (La Plata), im Juli gab es kubanische Musik von Ganga Projekt im neuen mexikanischen Biergarten La Pulquería.</p>
<p>Unser <strong>dritter Sommersalon</strong> wird ein Ninja-Fest – inspiriert von den <a href="http://superdemokraticos.com/ninja-metamorphose/" target="_blank">Lehren des Alan Mills</a>, einem guatemaltekischen Autor und einem unserer Blogger, und den Gemeinschaftscodices der vielen verschiedenen lateinamerikanischen Kultur-Kollektive der Stadt, die eine Überlebensstrategie herausgebildet haben, in der unter jedem Kostüm noch eine weitere Maske durchscheint. Denn wer in Berlin als Latino lebt, wird mit Klischés konfrontiert: sexy, gut tanzend, lebensfroh, oberflächlich. Sich als Kollektiv zusammenzutun, bedeutet dann, stärker sein als alleine, sich den eignen Job selbst zu schaffen, das Berliner Stadtleben selbst mitzuprägen. <strong>Kurz: sich das Klischée zu eigen machen.</strong></p>
<p>DJs aus drei Kollektiven werden <strong>am 26. August ab 21 Uhr </strong>im Madame Satã, <strong>Bergstr. 25</strong>, auflegen: <a href="http://www.myspace.com/proyectokidwatusi" target="_blank">Kid Watusi</a> (Cumbia Rockers), <a href="http://www.myspace.com/intiche" target="_blank">Intiche</a> (Pachazonica) und <a href="http://www.djgracekelly.com/mondomix/mondo_unten.html" target="_blank">Grace Kelly</a> (Mundo Mix), sicherlich eine der wichtigsten DJanes der Szene und unsere Gastgeberin in der neuen Cafébar, die vor einigen Wochen in Berlin-Mitte mit viel Liebe zu Details eröffnet wurde &#8211; Kunstrasen und Ploppplastik an den Wänden, maskierte Winkekatzen im Regal, Minialtäre. Dieser freie Ort heißt euch herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.</p>
<p><strong>Madame Satã (nicht Satin, sondern Satan) </strong>war übrigens ein homosexueller Brasilianer, der von ehemaligen Sklaven abstammte und weder lesen noch schreiben konnte. Er sorgte in den 1940er Jahren in Rio de Janeiro für Skandale: in Dragclubs, Bars, Varietés, und saß insgesamt 27 Jahre im Gefängnis. Allerdings erhielt er auch einmal den Preis für das beste Kostüm im Karneval!</p>
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		<title>Minirezension</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 07:50:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturmarketing]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Gedicht]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrikedition2000]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>

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		<description><![CDATA[Sinnierte ich doch gerade mit einem befreundeten Lyriker darüber, inwiefern neue Lyrik, wenn sie es denn in die Buchform geschafft hat, überhaupt besprochen wird und wo. Und finde die erste Minirezension meines letzten Lyrikbands auf WDR5. Ich freue mich! Das Gedicht &#8220;auftritte&#8221; wurde in der Sendung  &#8221;Junge Lyrik – Ein Gedicht&#8221; mit folgender Kurzkritik von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sinnierte ich doch gerade mit einem befreundeten Lyriker darüber, inwiefern neue Lyrik, wenn sie es denn in die Buchform geschafft hat, überhaupt besprochen wird und wo. Und finde die erste Minirezension meines letzten Lyrikbands auf <a href="http://www.wdr5.de/sendungen/buecher-das-wdr-5-literaturmagazin/s/d/07.08.2010-20.05.html#beitrag38550" target="_blank">WDR5</a>. Ich freue mich! <span id="more-691"></span>Das Gedicht &#8220;auftritte&#8221; wurde in der Sendung  &#8221;Junge Lyrik – Ein Gedicht&#8221; mit folgender Kurzkritik von Matthias Ehlers vorgelesen. <strong>Ich frage mich, wie lange ich noch als &#8220;junge Autorin&#8221; gelten werde&#8230;, und ob das gut oder schlecht ist?</strong></p>
<blockquote><p>Die 1976 geborene Nikola Richter schreibt Prosa und Lyrik. In ihrem letzten Lyrikband <a href="http://www.allitera.de/Richter%2C+Nikola%3Adie+do-re-mi-maschine_Lyrikedition+2000_978-3-86906-076-7_t.html" target="_blank">&#8220;die do-re-mi-maschine&#8221;</a> beweist die junge Autorin, dass sie mit leichter Hand über Alltägliches und Bedeutsames, über Banales und Zeitloses lebendig, fröhlich und souverän schreiben kann. 62 nicht allzu schwere Gedichte sind dabei herausgekommen und nicht allzu schwer zu schreiben ist oft gar nicht so leicht.</p></blockquote>
<p>Daher nun das Gedicht für alle, die das Buch zufälligerweise noch nicht im Schrank stehen haben:</p>
<p><strong>auftritte</strong></p>
<p>du tanzst flamenco für mich und jodelst dazu.<br />
das lieb ich an dir, diese multikultibegabung,<br />
du könntest glatt im hauptstadtkabarett auftreten<br />
und ich wäre vorgruppe, der mangoeis-sekt-aperitif,<br />
die decke das zelt mit flotter mücke im trapez,<br />
und das kind nebenan, das nicht einschlafen kann,<br />
wär hintergrund, publikum, treustes rhythmusgerät,<br />
wie es den plastikdino schlägt. ich denk mir so:<br />
wir sind die combo. und will eine drehorgel haben,<br />
darauf einen silbenknallfrosch mit hut,<br />
der glühwürmchen fängt und oldies singt,<br />
will mit dir trainieren an badeseen<br />
und im winter auf eine welttournee gehn.</p>
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		<title>Fleischsensibel in dritter Generation</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 18:54:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Deutschland ist Fleisch: Auf der aktuellen ZEIT prangt ein blutiges Steak, Jonathan Safran Foers &#8220;Eating animals&#8221;-Buch löst, kurz vor seinem Erscheinen auf dem deutschsprachigen Markt, eine Welle fleischkritischer Prosa und Interviews aus. Woher kommt diese neue Sensibilität für das Wohl der Lebewesen, die wir vertilgen? Ist das nur ein neuer Trend, ein weiterer Fall von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Deutschland ist Fleisch: Auf der aktuellen ZEIT prangt ein blutiges Steak, <a href="http://www.faz.net/s/RubBE163169B4324E24BA92AAEB5BDEF0DA/Doc~EB9AD01EFB92E4DF8BA4943664954D784~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Jonathan Safran Foers</a> &#8220;Eating animals&#8221;-Buch löst, kurz vor seinem Erscheinen auf dem deutschsprachigen Markt, eine Welle fleischkritischer Prosa und Interviews aus. <strong>Woher kommt diese neue Sensibilität für das Wohl der Lebewesen, die wir vertilgen? Ist das nur ein neuer Trend, ein weiterer Fall von &#8220;bewusst leben&#8221; in Gesellschaften, die keine anderen Probleme haben?</strong></p>
<p><strong>Ich persönlich finde es absurd, dass auf einmal alle wie erleuchtet scheinen und zu fleischlos Glücklichen konvertieren.</strong> Denn wir wussten es doch schon lange: Tierhaltung heute ist brutal, Begriffe wie &#8220;<a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,415546,00.html" target="_blank">Kleingruppenhaltung</a>&#8221; aus der Welt der Legehennenbatterien belegen das eindrücklich. Rinderzucht produziert Klimagase, verbraucht viel Energie (Wasser, Transportkosten, Kühlung), verschwendet Nahrung (Futtermittel) und damit Anbauflächen, die für durchaus nachhaltigere Speisen verwendet werden könnten. Die gentechnisch veränderten Wesen, die auf unseren Tellern landen, wären in ihren natürlichen Umgebungen nicht mehr lebensfähig: Hühner mit Mörderbrüsten, Rinder mit Superhintern. Und die ihnen gespritzten Medikamente nehmen schlussendlich wir Menschen als Endverbraucher auf. <strong>Fleisch ist wahrlich kein Gemüse. Und Kühe sind nicht lila. </strong><span id="more-671"></span></p>
<p><strong>Trotz allem: Ich gebe zu, ich habe heute Fleisch gekauft und zubereitet.</strong> Unter fließend kaltem Wasser wusch ich mehrere Putenschnitzel (Salmonellen, nächste Industriekrankheit), trocknete sie ab, schnetzelte sie auf einem Holzbrett, befreite sie von Sehnen, Fett, Blutresten, Venenresten. Dann schmiss ich die Fetzen rein in die Marinade. Die hellrosa Stückchen schob ich ein bisschen in der Soße hin und her, und schließlich spießte ich sie auf kleine Holzstäbchen. Manchmal trieb ich die Spitze leicht durch die Hautzellen, manchmal hakte sie etwas fest. Richtig angenehm ist mir diese Verarbeitungsweise nicht, das gebe ich zu. <strong>Rohes Fleisch fühlt sich kalt an, es ist, wenn man ehrlich ist, totes Fleisch.</strong></p>
<p>Jedes Mal, wenn ich Fleisch in die Hand nehme, dann muss ich daran denken, wie meine Mutter sich überwindet, um Fleisch zuzubereiten. Denn sie wurde vegetarisch erzogen. <strong>Ihr Vater, mein Großvater war Vegetarier, Demeter-Guru, Reformhaus-Käufer. </strong>Das ist für die Generation der nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Gefangenschaft Heimgekehrten sehr ungewöhnlich. Aber er entstammte einer Hamburger Metzgerfamilie und war damit vorgeprägt. Sein Vater war genauergesagt &#8220;Fett- und Wurstwarenhändler&#8221;, so deutlich hieß das damals. Er starb wohl an Herzverfettung &#8211; die Familienlegende berichtet, an seinem Bett hätte immer ein Wurstteller gestanden. Mein Opa stellte im Jahr 1953, nachdem die ersten Nachkriegsjahre vorbei waren, in denen man alles essen musste, was über Lebensmittelkarten verteilt wurde, die Ernährung seiner Familie um, weil meine Mutter ebenfalls für ein paar Monate eine Herzkrankheit ans Bett fesselte. Fortan galten im Hause Paulssen die Lehren des schwedischen Vegetariers <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Waerland-Kost" target="_blank">Are Waerland</a>, der unter anderem Rohkost, Wassertreten und ein ganzheitliches Leben propagierte.<strong> Also gab es für meine Mutter als Kind und Jugendliche weder Fleisch noch Fisch. Eier nur an Ostern.</strong> Stattdessen Fleischersatz-Pasten, schonend gedünstetes Gemüse, kaum gesalzen, Pellkartoffeln zu jedem Essen, regionale Apfel-Sorten, die gelobt und angepriesen wurden wie Trüffel. Und jeden Bissen mindestens 20mal kauen, bitteschön. Süß und salzig wurden nie zusammen gegessen, kalt und warm auch nicht.</p>
<p>So wie Fleisch etwas Fremdes, fast schon Verachtenswertes in dem Haushalt ihrer Eltern war, so kann meine Mutter es heute noch immer nicht anfassen, sie ekelt sich davor. <strong>An Fleischtheken wird ihr schlecht. </strong>Ich stelle es mir so vor: Wie wenn sie einem Lebenwesen unter die Haut fassen würde, etwas Intimes berühren, das schon fast verdorben ist, weil glibschig und seelenlos und gestohlen. Daher kocht sie nur Hackfleisch oder Kassler, Fleischversionen, die sie direkt von der Verpackung aus in die Pfanne geben kann. Denn, so sagt sie heute, &#8220;diese Ausschließlichkeit hat mich wahnsinnig gemacht&#8221;.</p>
<p>Ich fand das immer sehr bewundernswert, denn ihre Erziehung hatte sie genau das Gegenteil gelehrt: Fleisch abzulehnen. Sie aber wollte nicht so dogmatisch sein, wusste dass Ideologie nur Verbohrheit bedeutet. Aber auch ich konsumiere Fleisch nun sehr bewusst. Gerichte aus Gemüse, Nudeln, Reis, Kartoffeln kommen mir eher in den Sinn als Speisen mit Rind, Huhn, Lamm. Ich habe Respekt vor Tieren und muss nicht erst durch das Beiwohnen an einer Schlachtung (neuer Trend: <a href="http://porkcamp.com/" target="_blank">Porkcamp</a>) sensibilisiert werden, oder besser: Ich genieße Grünpflanzen mehr als Tiere! Ich propagiere Rohkostteller: Gurke, Paprika, Tomate, gekochte Kartoffel an Kräuterquark. <strong>Denn ich bin</strong> <strong>fleischsensibel in dritter Generation. Wahrscheinlich gibt es von uns nur sehr wenige, daher die Aufregung in Deutschland</strong>.</p>
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		<title>Der naive Vogel</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 16:03:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Carlos Contente]]></category>
		<category><![CDATA[ifa Galerie Berlin]]></category>

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		<description><![CDATA[Er druckt sein grimmiges Gesicht auf Wände, Mauern, Zettel, Schallplatten, zeichnet sich mit vielen Köpfen und Beinen, verbunden mit der Welt durch Bleistiftleitungen. Und er heißt paradoxerweise Carlos Contente, Carlos Zufrieden. Der junge brasilianische Künstler (Jahrgang 1977, Rio de Janeiro) wird derzeit in der ifa-Galerie Berlin ausgestellt. Die großformatigen Papierblätter, auf denen sich der Künstler [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_655" class="wp-caption alignleft" style="width: 295px"><img class="size-medium wp-image-655" title="carlos contente photobucket by agemda" src="http://www.blogmacherei.de/wp-content/uploads/carlos-contente-photobucket-by-agemda-285x300.jpg" alt="carlos contente photobucket by agemda" width="285" height="300" /><p class="wp-caption-text">Das Ich als Spinne mit Pacman-Karnivoren. Ausschnitt aus einem Carlos Contente-Gemälde. Photobucket by agemda.</p></div>
<p>Er druckt sein <strong>grimmiges Gesicht</strong> auf Wände, Mauern, Zettel, Schallplatten, zeichnet sich mit vielen Köpfen und Beinen, verbunden mit der Welt durch Bleistiftleitungen. <strong>Und er heißt paradoxerweise <a href="http://carloscontente.blogspot.com/" target="_blank">Carlos Contente</a>, Carlos Zufrieden. </strong>Der junge brasilianische Künstler (Jahrgang 1977, Rio de Janeiro) wird derzeit in der <a href="http://www.ifa.de/ausstellungen/dt/rueckblick/2010/a-gentil-carioca/carlos-contente/" target="_blank">ifa-Galerie Berlin</a> ausgestellt. Die großformatigen Papierblätter, auf denen sich der Künstler multipel-irre porträtiert, erzählen keine Geschichten, sind aber doch irgendwie autobiographisch. Wenn wir aus unserer Seele zitieren könnten, wären das vielleicht solche Wesen. Sie halten einzelne Momente der Selbstwahrnehmung fest, in all ihrer Komplexität, Absurdität und Verlorenheit. So zwitschern kleine naive Vögelchen der stets frontal den Zuschauer anstarrenden Figur ein, manchmal von nah, manchmal von fern. Auf den Vinyls der Serie &#8220;La Fiesta&#8221; gesteht der Künstler sich ein, dass er perfekt schlecht zeichnen kann. Alles eine große Illusion. Aber das Benennen dieser Täuschungen erzeugt bereits eine neue Realität. Jeder könnte dieses Ich sein. Denn wer ist heute nicht ständig damit beschäftigt, sich abzugrenzen, von der Familie, dem Kindlichen, den Ansprüchen, den Überforderungen, dem Selbstzweifel? <strong>In der Zweidimensionalität liegt eine Chance: Konturen zu erkennen.</strong> Die Technik dieser philosophischen Erkenntnis-Comic ist eine des Nacheinander-Denkens.</p>
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		<title>Schmücke deine sterbende Hülle</title>
		<link>http://www.blogmacherei.de/blogpraxis/schmucke-deine-sterbende-hulle/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 16:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogpraxis]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein weiteres Editorial für Los Superdemokraticos, diesmal über die Frage, wie Geist und Körper heute zueinanderstehen&#8230;
Neulich saß ich in einem Straßencafé und neben mir unterhielten sich vier Mädchen, Mitte 20, über Männer und Tattoos. Die eine hatte gerade einen Typen kennengelernt, der ein Zeichen auf der rechten Brust trug. „Da“, rief sie, und schlug mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_886" class="wp-caption alignnone" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-886" title="Descartes_mind_and_body" src="http://superdemokraticos.com/wp-content/uploads/2010/08/Descartes_mind_and_body.jpg" alt="" width="400" height="494" /><p class="wp-caption-text">Fühlen, Denken: Zeichnung von René Descartes (Wikicommons).</p></div>
<p><strong>Ein weiteres Editorial für <a href="http://www.superdemokraticos.com" target="_blank">Los Superdemokraticos</a>, diesmal über die Frage, wie Geist und Körper heute zueinanderstehen&#8230;</strong></p>
<p>Neulich saß ich in einem Straßencafé und neben mir unterhielten sich vier Mädchen, Mitte 20, über Männer und Tattoos. Die eine hatte gerade einen Typen kennengelernt, der ein Zeichen auf der rechten Brust trug. <strong>„Da“, rief sie, und schlug mit der flachen Hand auf ihre Brust, „das ist der beste Platz für ein Tattoo!“ </strong>„Ja“, riefen die anderen, „das ist der beste Platz.“ Ich hatte bisher nicht viel über Tattoos nachgedacht. Vor zehn Jahren wünschte ich mir einen schwarzen Stern. Aber dann lernte ich einen Mann kennen, der exakt dieses Zeichen aus meinem Traum auf dem Oberarm trug und ich verliebte mich. In den Mann oder in das Tattoo? In den Körper oder in den Geist, der sich das ausgedacht hat? Und war das überhaupt zu trennen?<span id="more-661"></span></p>
<p>Wir leben in einer Welt, die einerseits sehr körperzentriert ist (Ziellinie: bester Sex, schönster Körper, nackteste Werbung, dickster Schwanz, tollster Hintern), andererseits sehr körperlos funktioniert (Alltagsszene: Singles, die frühstücken, während sie ihre Mails checken, das Epaper lesen, sich per SMS auf einen Kaffee verabreden).  <strong>Wann sind wir Geist, wann Körper? Ist der Körper das Du, mit dem ich mich auseinandersetzen muss, weil ich mit ihm zwangsverheiratet wurde? </strong>Kann ich ihn nur im Tod annehmen und verlassen (Lizabel Mónica) – oder auch im Gedicht, in der Kunst? Sind wir simple „Wegwerfkörper“ (María Medrano), oder kann sich unser Gesicht <a href="http://contentevitrine.blogspot.com/" target="_blank">recyclen</a>? Welche Daseinsform, welcher Außerirdische bin ich, wenn ICH über MICH nachdenke, MICH fühle? Bin ich im Körper mit allen seinen Schwächen, Schmerzen, Leiden und Hässlichkeiten (Fernando Barrientos, Luis Felipe Fabre) gefangen, oder kann mein Geist der Trainer meiner physischen Existenz werden und damit über die sterbliche Hülle Unabhängigkeit erlangen (Leo Felipe Campos)? <strong>Die Frage nach dem Dualismus von Körper und Geist zieht sich durch viele der superdemokratischen Texte, ebenso der Wunsch, Gefühlen nachzugeben, dem Begehren, der Einsamkeit.</strong> Zwei deutsche Autorinnen, Claudia Rusch und Emma Braslavsky, konzentrierten sich interessanterweise stärker auf die Machtbeziehungen der Körper im gesellschaftlichen Kontext, auf Männerfreundschaft und Frauenselbstständigkeit – etwas, das Lizabel Monica in einem Kommentar „ungleiche kulturelle Feminisierung“ („dispareja feminization cultural“) nannte: <strong>Der Mann schwächelt und gibt nach, aber anders, denn er übernimmt keine kulturelle Verantwortung. Wer kolonisiert wen?</strong></p>
<p>Tattoos haben, ebenso wie die verstaubten Geschlechterrollen, ihre Kontexte verlassen (Gefängnis, Seefahrt, Ritual, Glauben), sie sind Teil einer Individualkultur geworden. Sie schreiben in einer eigenen Grammatik auf die ungeschützte Haut. Heute müssen wir nicht mehr vom Baum der Erkenntnis essen, um zu erkennen, dass wir nackt sind. <strong>Wir verehren den </strong><a href="http://2.bp.blogspot.com/_Zdz3IZy2lJA/TFPTA50BCII/AAAAAAAAFo8/sTx6fu_DFmI/s1600/WF+2.jpg" target="_blank"><strong>Apfel</strong></a><strong> jeden Tag. </strong>Vielleicht ist Sprache, sind Worte, verpackt oder nicht in digitale Kicks, der Kitt dieser unserer zerbrechlichen Einheit von Innen und Außen. Das ist die Schönheit der Gedanken! Wir hängen immer an diesem Faden unserers Bewusstseins, sind Seelen-Wesen mit Nervenbündeln, ob wir wollen oder nicht. Die Sprache strukturiert unser sinnliches und geistiges Erleben, mit ihr greifen wir in unsere Umgebung ein und stellen uns anderen Körpern, anderen Bürgern. Das ist unser drittes Thema, es beginnt nächste Woche.</p>
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		<title>Beziehungsweise Geräte</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 15:47:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Technik]]></category>
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		<category><![CDATA[Web]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Juli schreiben die 20 Autorinnen und Autoren auf Los Superdemokraticos über Intimität, Geschlecht und Körper. Und sehr oft geht es um unsere Beziehung zu Geräten:
Da liegt etwas neben mir und blinkt, als ob es atmet. Manchmal nehme ich es auf den Schoß, dann wird mir ganz warm. Ich spreche hier nicht von einem Fahrradlichtdildo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Juli schreiben die 20 Autorinnen und Autoren auf <a href="http://www.superdemokraticos.com" target="_blank">Los Superdemokraticos</a> über Intimität, Geschlecht und Körper. Und sehr oft geht es um unsere Beziehung zu Geräten:</strong></p>
<p>Da liegt etwas neben mir und blinkt, als ob es atmet. Manchmal nehme ich es auf den Schoß, dann wird mir ganz warm. Ich spreche hier nicht von einem Fahrradlichtdildo oder einer Katze mit blitzenden Augen, nein, ich spreche von einem Gerät. <strong>Habe ich ein Verhältnis mit meinem Computer?</strong> Was für eines ist das? Hat er sich in eine <a href="http://www.youtube.com/watch?v=xP2rZ79RfWM " target="_blank">herzförmige Box</a> verwandelt, die meine Gefühle kontrolliert?<span id="more-648"></span></p>
<p>Viele Texte der Superdemokraten befragen die Möglichkeit von Intimität in Zeiten des Webs. Die einen sprechen von Internetsex (<a href="http://superdemokraticos.com/digitale-korper-i-26-minuten-cybersex-18/" target="_blank">Agustín Calcagno</a>), die anderen vom Voyeurismus in sozialen Netzwerken (<a href="http://superdemokraticos.com/nullpunkt-panoptikum/" target="_blank">Liliana Lara)</a>. Genau diesen Beobachtungen geht der Schweizer Essayist, Physiker (und Jazzmusiker) Eduard Kaeser in seinem Buch<a href="http://www.libreka.de/9783851658583/FC" target="_blank"> „Der Körper im Zeitalter seiner Entbehrlichkeit</a> nach und fordert „Körpermündigkeit“: Weil wir immer mehr in „Technotopen“ lebten, umgeben und abhängig von Maschinen, die unsere Arbeit und unser Leben und vor allem auch unsere Liebe strukturieren, komme uns die materielle Welt immer mehr abhanden. Wir nähmen sie auf über immaterielle Sinneswahrnehmungen, die uns die Geräte filtern und anbieten. <strong>Wir seien mutiert zu „Schnittstellen-Wesen“.</strong></p>
<p>Ich glaube nicht, dass das schlimm ist, sondern einfach ein Teil meiner Realität, mit der ich umgehen lernen muss. So wie ich mit meinen Vorstellungen von Sexualität, Ehe, Familie, Liebe, Gender umgehen lernen muss, die bestimmten (erlernten) Realitäten oder Fiktionen (Filmen, Romanen) entsprechen. Davon erzählen auch <a href="http://superdemokraticos.com/espanol-fragmentos-de-intimidad/" target="_blank">Fernando Barrientos</a>, <a href="http://superdemokraticos.com/narben/" target="_blank">Leo Felipe Campos</a>, <a href="http://superdemokraticos.com/kampf-der-geschlechter/" target="_blank">Javier Badani</a>, <a href="http://superdemokraticos.com/ich-denke-also-bin-ich/" target="_blank">Lizabel Mónica</a> oder <a href="http://superdemokraticos.com/meres-et-filles-red/" target="_blank">René Hamann</a> ihren Essays. Diese Realitäten führen an der Nase herum wie die<a href="http://www.reitverein-gennachtal.de/bilder/EselKutscheKarotteKL.jpg" target="_blank"> Karotte den gutgläubigen Esel</a>. Aber wir müssen einfach stehen bleiben. Uns spüren. Die Rettung, die Zukunft, was auch immer kommen mag, liegt nicht im anderen (in der Karotte) sondern in uns selbst. In der Kraft, den Gefühlen, den Worten, die uns umgeben. Die online und offline zu uns kommen.</p>
<p>Ich bin sehr begabt darin, meine Geräte zu zerstören (so ähnlich, wie ich gut darin bin, überall anzustoßen und mir blaue Flecke zu holen). Meinen letzten Laptop hab ich mit Tee geflutet, mein Handy fällt mir oft aus der Hand, es ist nun von feinen Nadelrissen geschmückt. Es trägt Narben als ob es ein Körper wäre. <strong>Und daher behaupte ich weiter: Vor einem Computer weinen, ist intim. </strong><a href="http://www.youtube.com/watch?v=mwFYUFnTD9Q" target="_blank"><strong>Hinter einer Glaswand darüber singen</strong></a><strong>, was man im Leben verstanden hat, das ist intim. Youtube-Videos verschicken ist auch intim. </strong>So zeigen wir uns im „durchsichtigen Kostüm“ (<a href="http://superdemokraticos.com/sagmirwasdufuhlstismus/" target="_blank">Tilsa Otta</a>), werden verletzlich, aber bleiben, trotz aller Digitalität, höchstmenschlich.</p>
<p><strong>Und wenn wir uns das nächste Mal sehen, umarmen wir uns. Denn Menschen sind besser als Geräte.</strong></p>
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		<title>Sortenvielfalt speichern</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 15:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der indische Blogger Anatha Sayanan hat mir am Telefon erzählt, wie er versucht, alte Saatgüter und landwirtschaftliche Traditionen zu bewahren, die immer mehr von der industriellen Lebensmittelerzeugung und genmanipulierten Samen verdrängt werden. Das Protokoll des Gesprächs ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in einer Ausgabe, die sich damit beschäftigt, wie die digitalen Kulturen uns und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der indische<strong> Blogger Anatha Sayanan</strong> hat mir am Telefon erzählt, wie er versucht, <strong>alte Saatgüter und landwirtschaftliche Traditionen</strong> zu bewahren, die immer mehr von der industriellen Lebensmittelerzeugung und genmanipulierten Samen verdrängt werden. Das Protokoll des Gesprächs ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in einer <a href="http://www.ifa.de/pub/kulturaustausch/archiv/ausgaben-2010/e-volution/" target="_blank">Ausgabe</a>, die sich damit beschäftigt, wie die digitalen Kulturen uns und unseren Alltag verändern:</p>
<h5><span style="font-weight: normal;">Anantha Sayanan, geboren 1967 in Chennai, studierte Ingenieurswesen mit Schwerpunkt auf Elektronik und Kommunikation sowie Angewandte Computerwissenschaft an der Madras Universität. Danach arbeitete er in der Telekommunikationsbranche, bis er vor etwa 10 Jahren in die Schweiz zog. Vor vier Jahren kehrte er nach Chennai zurück. Mit Freunden und Aktivisten betreiben Sayanan und seine Frau einen <a href="http://www.restore.org.in" target="_blank">Non-Profit-Laden für ökologisch angebaute Produkte</a>. Sie reisen durchs Land, um sich über die Lage der indischen Landwirtschaft zu informieren. Von den Menschen, denen sie begegnen, und ihren grünen Projekten handelt Sayanas Blog <a href="http://www.ananthoosupdates.blogspot.com" target="_blank">ananthoosupdates</a>.</span></h5>
<p>Fünf Jahre lang habe ich in der Schweiz gelebt und in der IT-Industrie gearbeitet. Als ich vor vier Jahren zurück nach Indien ging, entschieden meine Frau und ich, etwas Sinnvolles zu tun: Ich interessierte mich für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Bildung im ländlichen Indien, also dachte ich, ich schaue mir das vor Ort am besten selbst an. <strong>Ich gab meinen Job auf, und wir fingen an zu reisen. Seitdem leben wir von meinem Ersparten.</strong><br />
<span id="more-635"></span><br />
Ich bin kein Journalist, ich kann nicht gut schreiben. Nur damit meine Freunde wissen, wo ich bin und wie es mir geht, habe ich mit dem Bloggen angefangen. Mein Blog ist ein persönliches Tagebuch. Es dient keinem größeren Zweck, richtet sich nicht an eine breitere Öffentlichkeit und will keine bestimmte Botschaft senden. I<strong>ch zeichne etwas auf, was vielleicht morgen etwas nützt.</strong></p>
<p>Je mehr wir reisten, desto mehr fingen wir an, uns mit organischer Landwirtschaft zu beschäftigen. Ich dokumentiere auf meinem Blog vor allem die natürliche Verarbeitung von traditionellem Saatgut. Denn in diesem Bereich ging schon sehr viel kulturelles Wissen verloren. Viele Hirsesorten, die besser und oft auch älter sind als Reis, werden nicht mehr angebaut, obwohl sie in allen Zivilisationen zu finden waren: Man spricht etwa von ungarischer, italienischer, indischer Hirse. Ihre Kohlenhydrate sind sehr komplex, sodass der Körper die Glukose langsam aufnimmt. Um diese Körner zu verarbeiten, müssen verschiedene Zellschichten aufgespalten werden. Früher hat man das einfach zu Hause per Hand gemacht, in kleinen Steinmühlen. Man produzierte für den Eigenbedarf. Mit der steigenden Bevölkerung, mit Verstädterung und Supermärkten stirbt diese Art der Lebensmittelherstellung und bald darauf geht auch das Saatgut verloren.</p>
<p>Im April 2010 schrieb ich auf meinem Blog über ei- ne 1.000 Kilometer lange Reise in das Rishi Valley, drei Stunden von Bangalore entfernt, in dem ich mich über die traditionelle Rohrzucker-Produktion informierte: Das Zuckerrohr wird gepresst, der Saft wird ein paar Stunden gekocht und danach zu braunen Blöcken geformt. <a href="http://ananthoosupdates.blogspot.com/2010/04/jaggery.html" target="_blank">It is such a simple and sweet process! </a>Um weißen Industrizucker herzustellen, wird Zuckerrohr verwendet, das mit 50 verschiedenen Düngemitteln und Pestiziden behandelt wurde; danach wird es mit Natriumhydrosulfit gebleicht. Warum? Um unserer „Weiß-Krankheit“ gerecht zu werden: weißer Reis, weißes Mehl, weiße Zähne &#8230; Wir haben gedacht, wenn wir unsere Technologien verbessern, werden die Ernten hygienischer und schneller. Aber davon profitieren nur ein paar große Unternehmen wie der US- amerikanische Konzern Monsanto, der heute den Groß-teil unseres Saatguts liefert. <strong>Das erste Produkt, mit dem Monsanto auf den Markt kam, war Saccharin, künstlicher Süßstoff. Keine Mineralstoffe, keine Vitamine.</strong></p>
<p>Ich bin einfach ein Beobachter und versuche zu verstehen, was passiert ist und was wir verloren haben. Alter Reis enthält mehr Mineralien, weil er langsam wächst. Er braucht 150 bis 180 Tage, fast ein halbes Jahr. Der neue Reis wächst schnell, man kann ihn nach 50 bis 70 Tagen ernten. Wir wollen alles schnell, schnell. Früher hatten wir eine spezielle Reissorte, die man stillenden Müttern gab, sodass sie mehr Milch produzieren. Diese Reis gibt es nicht mehr. <strong>Ich habe einen Bauern getroffen, der einen Reis wiederbelebt hat, der schon von Buddha gegessen wurde, vor 2.500 Jahren. </strong>Wir sollten mal eine Minute darüber nachdenken, was wir eigentlich meinen, wenn wir Landwirtschaft sagen, diese Technik, die uns über Jahrtausende überliefert wurde. Denn Saatgut überlebt nicht ewig. Ich muss es immer wieder aussäen, um neues zu ernten. <strong>Was wir heute haben, ist fast schon synthetisch. Es hat keinen dauerhaften Wert.</strong></p>
<p>Überall in Indien verstärkt sich der Protest gegen genverändertes Saatgut. Viele von uns Bloggern stehen miteinander über das Netz in Kontakt, starten E-Petitions, informieren über Meetings, schreiben und faxen an Abgeordnete. Das Internet ist also in kleinen Dingen hilfreich, aber es wird nicht das ländliche Leben revolutionieren. <strong>In Deutschland haben vielleicht 90 Prozent der Menschen einen Internetzugang. Hier in Indien ist die Internet-Verbreitung sehr gering, besonders auf dem Land. Viele Menschen leben noch ohne Strom und können ihren Besitz mit einer Hand tragen. </strong>Wenn es zu einer Katastrophe käme und die industrielle Lebensmittelproduktion aussetzte, würden sie im Wald überleben, weil sie noch wissen, was man essen kann und was nicht.</p>
<p>Die gesamte Welt rennt heutzutage dem Kommerz hinterher, will Gewinne machen. Immer mehr Agrarland in Indien wird industriell genutzt. Dort arbeiten die Men- schen dann nicht mehr auf dem Feld, sondern in der Fabrik. <strong>Wenn eines Tages unser Geld alle ist, wird das für uns ein glücklicher Moment.</strong> Dann bleiben wir einfach dort, wo wir sind, irgendwo im ländlichen Indien, gründen eine Farm und leben fröhlich bis ans Ende unsrer Tage.</p>
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		<title>Tengo un proyecto por 15 dias</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 14:22:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hyperlinks sind out, schreibt Johannes Thumfart auf Zeit Online. Ich würde dagegen setzen: Nein, sie sind in, aber nur, wenn sie einen neuen Gedanken mit sich bringen. Vielleicht ist es nicht mehr allzu angesagt, Romane zu schreiben, die sich nur durch mühsame Klick-Spaziergänge lesen lassen. Wir wollen schnelle Seiten, inhaltlich anregende, individuelle Seiten mit wenig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-04/new-york-internetliteratur" target="_blank">Hyperlinks sind out</a>, schreibt Johannes Thumfart auf Zeit Online. Ich würde dagegen setzen: Nein, sie sind in, aber nur, wenn sie einen neuen Gedanken mit sich bringen. Vielleicht ist es nicht mehr allzu angesagt, Romane zu schreiben, die sich nur durch mühsame Klick-Spaziergänge lesen lassen. Wir wollen schnelle Seiten, inhaltlich anregende, individuelle Seiten mit wenig Schnickschnack. Denn: Vor allem<strong> k</strong><strong>ommerzielle Klickgalerien sind out</strong>. Jeder, der online mit Texten arbeitet, versucht, sie möglichst zu vermeiden.</p>
<p>Seit einiger Zeit experimentiere ich damit, einzelne Worte und Begriffe von im Blog veröffentlichten Gedichten mit Links zu versehen. Aktuell auf einem <a href="http://tengounproyectopor15dias.blogspot.com/  " target="_blank">Blog</a> <strong>&#8220;Ich habe ein Projekt für 15 Tage&#8221;</strong> mit der argentinischen Dichterin Paz Levinson: Jeder Text, abwechselnd von einer von uns geschrieben, enthält einen Link, über den dann die nächste schreibt. Diese Verkettung von Webseiten illustriert <a href="http://superdemokraticos.com/telepathie/" target="_blank">telepathische</a> Assoziationen, Bilder vermitteln Wege durchs Netz, eine Recherche, <strong>einen Pfad nach draußen</strong>.</p>
<p>Diese Webtipps, wie ich sie auch nennen könnte, sind wie kleine Geschenke, die der Leser aufmachen kann oder nicht. Hier ist der Klick nur ein Angebot, kein psychologischer Zwang. Eine weitere Dichterin aus Buenos Aires, Cecilia Pavón, sieht das ähnlich: <a href="http://oncesur.blogspot.com/2010/05/poemas-con-link-un-nuevo-genero-un.html  " target="_blank">&#8220;Poemas con links un nuevo genero&#8221;</a> (Gedichte mit Links, ein neues Genre). Und daher verlinken wir weiter, ich im deutschen Sommer, Paz im argentinischen Winter. Welche Jahreszeit herrscht in unserem 15-Tage-Projekt? Sommerwinter oder Wintersommer? Oder die <a href="http://fotowettbewerb.hispeed.ch/original/223300/milchmeer/nebelmeer_natur_berge_alpen_winter_sonne_blau_switzerland.jpg" target="_blank">Wintersonne</a>?</p>
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		<title>Das kritische Rauschen</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 13:32:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Kritiker sind nach Hause gefahren, die kritischen Daten bleiben. Denn Kritiker sind Datenverarbeiter. Da sind der Theatertext, die Spielfassung, Pressemitteilungen, Programmhefte, Diskurse, Kollegengespräche, Interviews, Online- und Offline-Recherchen, die gelesen werden wollen, und da ist natürlich die eigene teilnehmende Beobachtung als klatschender &#8211; oder nicht-klatschender, mitschreibender oder stillschweigender &#8211; Zuschauer. Da sind die Eindrücke, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_611" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-611" title="Bloghütte_Nikola Richter" src="http://www.blogmacherei.de/wp-content/uploads/Bloghütte_Nikola-Richter-300x225.jpg" alt="Bloghütte_Nikola Richter" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Die Bloghütte aus groben Holzplanken im unteren Foyer der Berliner Festspiele beherbergte ein angekettenes Laptop: das Bühnenbild fürs Onlinelesen beim tt10.</p></div>
<p><strong>Die Kritiker sind nach Hause gefahren, die kritischen Daten bleiben. Denn Kritiker sind Datenverarbeiter</strong>. Da sind der Theatertext, die Spielfassung, Pressemitteilungen, Programmhefte, Diskurse, Kollegengespräche, Interviews, Online- und Offline-Recherchen, die gelesen werden wollen, und da ist natürlich die eigene teilnehmende Beobachtung als <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/allgemeines/du-bist-wie-du-klatscht/" target="_blank">klatschender</a> &#8211; oder nicht-klatschender, mitschreibender oder stillschweigender &#8211; Zuschauer. Da sind die Eindrücke, die Einordungen, die medial einprasseln. Schon 1984 &#8211; <a href="http://www.guardian.co.uk/technology/2009/aug/11/internet-computing" target="_blank">das Internet war gerade erst ein Jahr alt</a> und mit 200 bis 400 teilnehmenden Großrechnern sehr übersichtlich &#8211; beschrieb der US-amerikanische Autor Don DeLillo in seinem berühmten postmodernen Roman &#8220;Das weiße Rauschen&#8221;, wie der Mensch in neuartigen Informationsflüssen versinkt. Heute möchte ich ihm zurufen: Nein, er versinkt doch überhaupt nicht!</p>
<p><span id="more-608"></span></p>
<p>Denn wenn sich acht aus 120 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählte Nachwuchs-Theaterkritiker fast drei Wochen während des Theatertreffens blog-redaktionell betätigen, wenn sie täglich in Redaktionssitzungen diskutieren und sich austauschen, über die eigenen Kriterien und Maßstäbe, wenn sie fotografieren, filmen, schreiben, mitschneiden und somit ihre Gedanken sortieren, wenn sie begleitet werden von freundlich-kritischen Mentoren, dann wird aus dem weißen Rauschen ein kritisches Rauschen. Denn es ging neben vielen konkreten Debatten über die zum tt10 eingeladenen Inszenierungen auch um viele grundsätzliche Fragen, etwa zum <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/artikel-zu/preisverleihungen/abgetreten/" target="_blank">Abdanken der Botho-Strauß-Generation</a> und zu <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/allgemeines/rauschen-in-der-rube/" target="_blank">Großkritiker</a>-Allüren, zu den Menschen hinter den <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/artikel-zu/vor-den-kulissen-teil-2/" target="_blank">Kulissen</a> und Schauspielern/Regisseuren/Autoren ganz <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/author/mary/" target="_blank">privat</a>, zur allgegenwärtigen <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/allgemeines/ich-hab-die-krise-mit-der-krise/" target="_blank">Krise</a>, zu den <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/allgemeines/wieviel-zickigkeit-konnen-sie-sich-leisten/" target="_blank">Arbeitsbedingungen</a> der Theaterleute, insbesondere der freien Szene, zu A<a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/allgemeines/wunsch-dir-was/" target="_blank">lternative</a>n für die tt-Einladungsliste, und ja, genau, auch zum Sinn und Zweck von Theater, <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/allgemeines/warum-theater/" target="_blank">an sich und überhaupt</a> und in der <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/allgemeines/the-future-archive-of-theater/" target="_blank">Zukunft</a>. Es entstanden etwa 140 Artikel, zu den Gastspielen, dem Stückemarkt, dem Internationalen Forum und dem Rahmenprogramm. Ein Archiv des Festivals, ein Datenstrom, fast möchte ich sagen, für immer.</p>
<div id="attachment_3474" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a rel="attachment wp-att-3474" href="http://www.blogmacherei.de/?attachment_id=3474"><img class="size-medium wp-image-3474" title="tt-blog-2010-kartons" src="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/wp-content/uploads/2010/07/tt-blog-2010-kartons-225x300.jpg" alt="Das quadratische Büro." width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Büro hoch zwei. </p></div>
<p><strong>Das stieß auf Wohlwollen, auf Respekt und auf den Wunsch nach mehr, sowohl bei den klassischen als auch bei den neuen Medien</strong>: Die <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/kultur/article1309503/Wenn-die-Tresortuer-klemmt-geht-nichts-mehr.html" target="_blank">Berliner Morgenpost</a> lobte die Schnelligkeit der Blogger, diese sei doch &#8220;ausdrücklich zu würdigen&#8221;, <a href="http://www.freitag.de/kultur/1018-krise-auf-dem-fest" target="_blank">der Freitag</a> wies auf den bloggenden Intendanten der Berliner Festspiele <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/author/sartorius/" target="_blank">Joachim Sartorius</a> hin. Er schrieb in diesem Jahr erstmals online mit, eine Premiere. Die Stuttgarter Zeitung befand, dass mit dem Theatertreffen-Blog der &#8220;virtuellen Teilnahme&#8221; am Festival nichts mehr im Wege stünde. 3sat-kulturzeit, der SWR und der RBB berichteten in eigenen längeren Beiträgen über die neuen Formate der Online-Theaterkritik (z.B. unsere Votingecke <a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/tag/herzzahl/" target="_blank">Herzzahl</a>). Das Blog<a href="http://theater-in-berlin.blogspot.com" target="_blank"> Theater in Berlin</a> fand bereits unseren ersten Beitrag interessant (<a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/allgemeines/kulturjournalistisches-bloggen-geht-das-uberhaupt/" target="_blank">&#8220;Ist kulturjournalistisches Bloggen möglich?&#8221;</a>); ein junger Blogger aus München, <a href="http://www.manuel-braun.com/blog/2010/05/theaterblog/" target="_blank">Manuel Braun, </a>forderte: &#8220;So etwas wie den Theatertreffen-Blog sollte es das ganze Jahr über geben. Punkt.&#8221; Vielen Dank dafür!</p>
<p>Aber auch unsere Leser liebten das diesjährige Blog: <strong>Die Userzahlen verdoppelten sich im Vergleich zu 2009</strong>: 14.938 Besucher, 23.219 Besuche und 227.828 Seitenaufrufe. Das bedeutet, jeder Leser, der auf dieses Blog kam, las durchschnittlich 9,81 Seiten und erstellte sich somit <strong>eine kleine individuelle Theaterzeitung &#8211; ohne Lieferzeit, Kioskgang, Altpapierentsorgung</strong>. Ich habe nun mein fast papierloses Büro wieder zusammengepackt: Es passt, samt Küchenausrüstung (Kaffeemaschine, Tassen, Gläser, Wasserkocher) in zwei handliche Kartons. So überwintert ein Blog. Bis zum nächsten Theaterfrühling!</p>
<p><em>In diesem Jahr habe ich zum zweiten Mal das Theatertreffen-Blog geleitet &#8211; und nun endlich, aus der sicheren Distanz von fast zwei Monaten, meinen Rückblick verfasst. Ein Crosspost vom </em><a href="http://www.theatertreffen-blog.de/tt10/category/editorial-blog/" target="_blank"><em>editorial blog</em></a><em>.</em></p>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 13:42:02 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[I was asked to attend the Berlin launch of the State of the Future Report 2010 on 7 July 2010: It contains 7.000 pages of global data. Here comes a summary of 1 page. Useful?
It is hard to predict the future. Prehistoric men probably tried to read in the wind and in the water what [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>I was asked to attend the Berlin launch of the State of the Future Report 2010 on 7 July 2010: It contains 7.000 pages of global data. Here comes a summary of 1 page. Useful?</strong></p>
<p><strong>It is hard to predict the future</strong>. Prehistoric men probably tried to read in the wind and in the water what the next days were bringing, the Greeks went to see the oracle of Delphi, we collect data. Globally. For years and years and years. There are the <a href="http://econ.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/EXTDEC/EXTRESEARCH/EXTWDRS/0,,contentMDK:20227703~pagePK:478093~piPK:477627~theSitePK:477624,00.html">World Bank Report</a>, the <a href="http://www.undp.org/mdg/reports.shtml">Millennium Goals Reports of the UN</a> or the outlooks on financial stability of the <a href="http://www.imf.org/external/data.htm">International Monetary Fund</a>. We have global reports on <a href="http://www.ipcc.ch/">climate change</a>, on <a href="http://publications.iom.int/bookstore/index.php?main_page=index&amp;cPath=37&amp;zenid=febe5441ae4227e684753c7409a2aa5b">migration</a>, on <a href="http://portal.unesco.org/culture/en/ev.php-URL_ID=35396&amp;URL_DO=DO_TOPIC&amp;URL_SECTION=201.html">cultural diversity</a>. On the one hand, it is absolutely great, that we possess all this data, that scientists work hand in hand with politicians, with activists, with civil society. On the other hand, who will read all this stuff &#8211; besides the experts? And what impact will it have, if at all, because it really is loads and loads of data? How can it be used practically?</p>
<p>Yesterday, I attended the German launch of yet another report, <a href="http://www.stateofthefuture.de/"><strong>The State of the Future Report 2010</strong></a>. It is published every year by the think tank <a href="http://www.millennium-project.org/">Millennium Project</a>, a cooperation between 3.000 experts, futurists, governmental officials, NGOs and enterprises in 35 so called nodes (centres) all around the world. For 14 years now, they assemble data and analyse it, trying to grasp the future development of 15 topics, for example infant mortality, population growth, women in parliament or corruption. This years&#8217; report is so big, that its <strong>7.000 pages</strong> are only available on CD-Rom. And I now stand there, stunned, how to summarize this amount of information. <span id="more-615"></span>Ok, chapter one of the report summary tackles all 15 global challenges in two-page overviews &#8211; only <strong>30 pages </strong>to read. The executive summary by the directors of the Millennium Project Jerome Glenn, Theodore Gordon and Elizabeth Florescu is even shorter, only <strong>10 pages</strong>. Shall I dare say, that you will know more about future trends when you have read this blog post of <strong>1 page</strong>? Let&#8217;s try to wrap it up further:</p>
<p>- <strong>The world is winning</strong> in certain fields, according to the report: water resources have been improved, the literacy rate has mounted as well as school enrolment, poverty has been reduced (probably due to the efforts of the Millennium Development Goals of the UN), world population is growing a little less (9 billion people in 2050), life expectancy is at 68 years and the proportion of seats held by women in national parliaments has risen from 13,8% in 2009 to 18,9% in 2010. 30% of the world population has access to the internet &#8211; in five years, half of the world population will be online.</p>
<p>- <strong>The world is losing</strong> in the following areas, says the report: CO2 emissions have not been reduced, we use to much fossil energy, unemployment is worsening globally, corruption tends to become more widespread, more and more people have to leave their countries and seek asylum in other parts of the world, more and more people were killed in terrorist attacks.</p>
<p>- <strong>Little change</strong> is seen in the fight against HIV. We still do not spend enough money on research and development. And people still kill people (homicide rate has not been reduced).</p>
<p>Have I kept my promise? Is this short enough? Well, if I&#8217;m honest, I think, it is too short.</p>
<p><strong>And I ask myself, whether these trends really tell me something about the world? Or do they just make me depressive? </strong><strong>I have the feeling that average data functions like a veil for evening out global differences. It enables simplification. And it doesn&#8217;t really give me a chance to understand interdependencies.</strong></p>
<p>My proposition would be: Make global data local when and if you can. Compare one aspect in different countries in one continent, for example the HIV rate, the child mortality &#8211; and combine it with best practice examples. In your own every day life, use your eyes, look around. Collect your own data. And ask the futurist in you &#8211; where will the world be in 10 years, 50 years? Do you rather believe the optimist &#8220;God is Latin American&#8221; scenario where &#8220;Made in Latin America&#8221; becomes a symbol for quality and where the Latin American Union manages to decrease corruption, saves resources and lowers emissions? Or do you find the pessimist &#8220;Disintegration in Hell&#8221; scenario more probable where hyperinflation returns to Latin America, where forests will be destroyed and the gap between the poor and the rich even bigger? (2 scenarios from chapter &#8220;Latin America 2030&#8243;)</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=PY0fli5IH08">Cornelia Daheim</a>, representative of the German node of the Millennium Project and presenting the study on 7 July at the Bertelsmann Foundation in Berlin, has not lost her optimism dealing with the global future: She is certain that the world possesses the means to tackle these challenges, given the more international cooperation, coordination and collective goals. One thing that we all can be certain of: There will be a next State of the Future Report. And: It will look at the same 15 challenges.</p>
<p>Crossposted from <a href="http://www.futurechallenges.org" target="_blank">FutureChallenges</a>.</p>
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