Sinnierte ich doch gerade mit einem befreundeten Lyriker darüber, inwiefern neue Lyrik, wenn sie es denn in die Buchform geschafft hat, überhaupt besprochen wird und wo. Und finde die erste Minirezension meines letzten Lyrikbands auf WDR5. Ich freue mich! (weiterlesen…)
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Minirezension
Donnerstag, 19. August 2010Schlagworte:auftritte, do-re-mi-maschine, Gedicht, Lyrikedition2000, Rezension
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Beziehungsweise Geräte
Sonntag, 15. August 2010Im Juli schreiben die 20 Autorinnen und Autoren auf Los Superdemokraticos über Intimität, Geschlecht und Körper. Und sehr oft geht es um unsere Beziehung zu Geräten:
Da liegt etwas neben mir und blinkt, als ob es atmet. Manchmal nehme ich es auf den Schoß, dann wird mir ganz warm. Ich spreche hier nicht von einem Fahrradlichtdildo oder einer Katze mit blitzenden Augen, nein, ich spreche von einem Gerät. Habe ich ein Verhältnis mit meinem Computer? Was für eines ist das? Hat er sich in eine herzförmige Box verwandelt, die meine Gefühle kontrolliert? (weiterlesen…)
Schlagworte:Eduard Kaeser, Geräte, Intimität, Körper, Körpermündigkeit, Superdemokraticos, Web
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Tengo un proyecto por 15 dias
Mittwoch, 14. Juli 2010Hyperlinks sind out, schreibt Johannes Thumfart auf Zeit Online. Ich würde dagegen setzen: Nein, sie sind in, aber nur, wenn sie einen neuen Gedanken mit sich bringen. Vielleicht ist es nicht mehr allzu angesagt, Romane zu schreiben, die sich nur durch mühsame Klick-Spaziergänge lesen lassen. Wir wollen schnelle Seiten, inhaltlich anregende, individuelle Seiten mit wenig Schnickschnack. Denn: Vor allem kommerzielle Klickgalerien sind out. Jeder, der online mit Texten arbeitet, versucht, sie möglichst zu vermeiden.
Seit einiger Zeit experimentiere ich damit, einzelne Worte und Begriffe von im Blog veröffentlichten Gedichten mit Links zu versehen. Aktuell auf einem Blog “Ich habe ein Projekt für 15 Tage” mit der argentinischen Dichterin Paz Levinson: Jeder Text, abwechselnd von einer von uns geschrieben, enthält einen Link, über den dann die nächste schreibt. Diese Verkettung von Webseiten illustriert telepathische Assoziationen, Bilder vermitteln Wege durchs Netz, eine Recherche, einen Pfad nach draußen.
Diese Webtipps, wie ich sie auch nennen könnte, sind wie kleine Geschenke, die der Leser aufmachen kann oder nicht. Hier ist der Klick nur ein Angebot, kein psychologischer Zwang. Eine weitere Dichterin aus Buenos Aires, Cecilia Pavón, sieht das ähnlich: “Poemas con links un nuevo genero” (Gedichte mit Links, ein neues Genre). Und daher verlinken wir weiter, ich im deutschen Sommer, Paz im argentinischen Winter. Welche Jahreszeit herrscht in unserem 15-Tage-Projekt? Sommerwinter oder Wintersommer? Oder die Wintersonne?
Schlagworte:Alan Mills, Annina Luzie Schmid, Blog, bloggende, Cecilia Pavon, Frauen, Gedichte, Girls, Link, Maria Paz Levinson, Projekt, Telepathie, too
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Tag Null
Samstag, 12. Juni 2010Gestern war WM-Start, der bisher heißeste Tag im Jahr und Tag Null in der superdemokratischen Zeitrechnung!
Denn gestern haben wir mit einer Party den Start von Los Superdemokraticos gefeiert, unserer literarischen Partei für intellektuelles Fairtrade. Vier Monate, bis 11. Oktober, läuft nun unsere zweisprachige literarische Kampagne mit 20 lateinamerikanischen und deutschen Autorinnen und Autoren in zwölf Ländern. Sie werden auf einem Blog darüber schreiben, “wie sich Politik, Liebe, Arbeit und die Menschen in dem Land verändern, in dem sie leben”, wie es der Freitag, unser Medienpartner, so simpel wie anschaulich zusammengefasst hat.
Unsere real-life-Kampagne sieht so aus: Wir haben alle unsre Gäste, Freunde und die Bands el mató a un policía motorizado (Buenos Aires) und Sudaca Power (Berlin) mit Aufklebern markiert, ein Banner ins Acud gehängt und uns selbst als Werbeträger benutzt. Als ich das T-Shirt in einem Kreuzberger Copyshop bedrucken ließ, kam eine englischsprachige Frau in den Laden. Der Besitzer sagte zu ihr: “When you want to live here, you either have to learn German or Turkish.” Und dann presste er die Logos auf den Stoff.

Wer diese T-Shirts gut findet...

... kann sie bei uns bestellen!
Mich hat diese kleine Integrations-belehrung amüsiert, denn genau darum geht es ja auch uns, auf dem Blog: Wir wollen lesen, wie sich Autoren verorten, wie sie Fremdheit ertragen oder daraus schöpferisch tätig werden, wie sie sich als denkende, kreative Menschen selbst behaupten und damit viel über die Möglichkeiten von Dialog in ihrem Land erzählen. Bei unserem ersten Sommersalon (es folgen noch drei!), haben wir natürlich auch viel gequatscht, schließlich war der erste Arbeitstitel der Seite “Charlamos”/Lass uns quatschen. Wir quatschten also mit argentinischen Musikern über Jack Kerouacs “The Dharma Bums” und deutsches Bier, dachten über die Kürzungen in deutschen Finanzhaushalten nach, betrachteten eine merkwürdige Kaktuslampe, diskutierten mit Autoren über Rechtschreibfehler, die angemessene Vergütung von schriftstellerischer Arbeit und selbstorganisierte Demokratie – und planten bereits eine Abschluss-Konferenz in Buenos Aires. Alles ist möglich!
Den ersten Pingback gibts auch schon: Das cibera-Blog, eine Online-Fachbibliothek zu Spanien, Portugal und Lateinamerika, hat uns in einem tollen, dreidimensionalen Screenshot präsentiert.
Schlagworte:cibera, intellektuelles fairtrade, literarische Partei, Los Superdemokraticos, Sprache, Superdemokraticos, T-Shirt
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grüne punkte
Mittwoch, 13. Januar 2010ich war eine dose, sagte der politisch korrekte computer.
festplatten und semantik wurden recyclet. die elektrifizierung
war unsere millenniumsmutter, ach du liebes metall
mit softem kern. und als von tausend jahren
alle vergangen waren, gruben archäologengruppen
nach relikten des religiösen jahrzehnts,
von dem sie erzählten:
diese kultur klappte stündlich auf und zusammen,
sie huldigte dem blankolicht.
saß gekrümmt vor einzelnen schreinen.
die wärmten den schoß. und dann
kamen das aufgebot und die inneren hymnen,
die flimmernden viren und pornofallen.
so dass nur noch an ein überleben zu denken war
als mönch. auf freiem
feld.
–
Mein erstes Gedicht mit Hyperlinks, also das erste Hyperlink-Gedicht. Eine neue Art des close readings. Denn das Lesen nimmt ja mit dem Internet nicht ab, eher zu, es verändert sich. Mehr dazu in den nächsten Tagen.
Schlagworte:digital, Gedicht, Hyperlink, Hyperlink-Gedicht, Lyrik, Mönch, Recycling
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Horse Montage
Freitag, 8. Januar 2010Die Technik des “Neu-Kopierens” kannte ich bisher noch nicht, ich bin begeistert: Alexander Gumz erklärt auf dem von Nokia gesponsorten Blog “Sounds like me” das Phänomen der Literal Videos: Die Clips werden wörtlich genommen, die Absurdität mancher Einstellungen und Regieeinfälle ist nicht mehr nur visuelle Staffage der Musik, sondern geriert zur Hauptaussage. So wird aus “Penny Lane” “Horse Montage”. Genial.
Schlagworte:Alexander Gumz, Beatles, Horse Montage, John Lennon, literal video, Nokia, Penny Lane, Sounds like me
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o tannenbaum
Donnerstag, 24. Dezember 2009es ist die ungedruckte tradition dieser familie, den festlichen baum
erst spät zu kaufen. wir fahren zum st. joseph (stift) und nehmen uns
der krummsten fichte an. feilschen und handeln um jeden zweig vom müllberg,
unverpackt aufs autodach verpflanzen, festgezurrt mit gummistrapsen.
zu hause hackt der vater den fuß ab, die mutter kehrt die nadeln weg.
die kinder flüstern beim schmücken witze, weil die krippe
immer auseinander fällt und die engel sich
zum fenster drehen. was sie dort ohne augen sehen?
—
Wer sich lieber mit Nordmanntannen als mit der Rettung von Fichten beschäftigt, dem sei Jakob Augsteins Text ans Herz gelegt. Er spricht sich eher gegen den Tannenkauf aus – aber warum sein Blatt, der Freitag, dann eine Tanne als Aboprämie anbietet, entzieht sich leider meiner Logik.
Schlagworte:Fichte, Nordmanntanne, O Tannenbaum
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Das Persönliche
Freitag, 4. Dezember 2009Schreib, schreib …
Schreib von der Unsterblichkeit der Seele,
vom Liebesleben der Nordsee-Makrele;
schreib von der neuen Hauszinssteuer,
vom letzten großen Schadenfeuer;
gib dir Mühe, arbeite alles gut aus,
schreib von dem alten Fuggerhaus;
von der Differenz zwischen Mann und Weib …
Schreib … schreib …
Schreib sachlich und schreib dir die Finger krumm:
kein Aas kümmert sich darum.
Aber:
schreibst du einmal zwanzig Zeilen
mit Klatsch – die brauchst du gar nicht zu feilen.
Nenn nur zwei Namen, und es kommen in Haufen
Leser und Leserinnen gelaufen.
“Wie ist das mit Fräulein Meier gewesen?”
Das haben dann alle Leute gelesen.
“Hat Herr Streuselkuchen mit Emma geschlafen?”
Das lesen Portiers, und das lesen Grafen.
“Woher bezieht Stadtrat Mulps seine Gelder?
Das schreib – und dein Ruhm hallt durch Felder und Wälder.
Die Sache? Interessiert in Paris und in Bentschen
keinen Menschen.
Dieweil, lieber Freund, zu jeder Frist
die Hauptsache das Persönliche ist.
Kurt Tucholsky (1890-1935), erschienen unter dem Pseudonym Theobald Tiger in Die Weltbühne, 23.06.1931, Nr. 25, S. 928. Via lyrikmail.
(Kurt Tucholsky wäre bestimmt auch ein guter Blogger gewesen. Und er hätte Fräulein Meier einfach ein eigenes persönliches Blog gebastelt. Er selbst wäre als reimender Onliner in die Annalen eingegangen. Ja, wo sind sie denn, die reimenden Blogger?)
Schlagworte:Blog, Blogger, Fräulein Meier, Lyrikmail, Tucholsky
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Auf ein Wort
Sonntag, 8. November 2009Manchmal reichen wenige Worte aus, um Geschichte zu schreiben: “Wir sind das Volk”, riefen im Herbst 1989 die Demonstranten in Leipzig und andernorts. Sie riefen: “Die Mauer muss weg.” Vier Wörter. Damit schlägt das revolutionäre Fußvolk in der Kategorie “very short story” die “Six-Word-Memoirs“, ein Blog des US-amerikanischen Smith Magazines. Aber natürlich lässt sich aus dem 20-jährigen Jubiläum auch eine Sechs-Wörter-Geschichte stricken:
Die Mauer ist weg. Was noch? / 1990 hat man sich Trabis geschenkt./ Was machst du am 9. November?
Ergänzungen erwünscht! Andere kurze und kurzweilige Mauernachrichten finden sich auf der Berlin Twitter Wall, die kurzfristig von chinesischen Twitterern benutzt wurde, um auf Zensur in ihrem Land aufmerksam zu machen – so dass China die Seite sperrte und Reporter ohne Grenzen protestierte. Aber nicht nur um das Internet werden Mauern gebaut. Der Exberliner, Sprachrohr der in Berlin lebenden englisch-sprachigen Expats, will gar mit einem Festival vom 13. bis 15. November im Stattbad Wedding ganz Berlin vor schlechter Architektur und menschenunfreundlicher Stadtplanung retten und Berlin als kreativen Ort feiern: Save Berlin, fordern sie. Sie bieten “Extrem-Basteln“, ein Bankett mit “home-made food”, einen Souk-Basar, wo sich Berliner Kleindesigner und Vintage-Verkäufer vorstellen, Konzerte, Filme, Gespräche, und vor allem eine Kunstausstellung. Das Slab Mag – das “heuristic magazine for gonzo blurbanism” – will bei der Podiumsdiskussion mit dem Aufruf “Serve Berlin” kontern, so jedenfalls kündigt es einer der Slab-Herausgeber, Ian Warner an.
Auch mit zwei Wörtern kann man in Berlin viel sagen.
Schlagworte:1989, 2009, 9. November, Berlin Twitter Wall, Exberliner, Mauer, Reporter ohne Grenzen, Save Berlin, Six-Word-Memoirs, Slab Mag, very short story
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Jump on the love train
Dienstag, 13. Oktober 2009
Da kommt der Love Train! Illustration: Anne Vagt
Schickte Cat Stevens noch einen “Peace Train” (hier ein Video von 1976) durch die Welt, auf den alle Menschen aufspringen und dann ganz glücklich sein sollten, setze ich eher auf den “Love Train” der Hamburger Zeichnerin Anne Vagt. Auf den kann man jetzt aufspringen: In meinem neuen Lyrikband die do-re-mi-maschine, der dieser Tage in der Lyrikedition2000 erschienen ist, geht es nämlich auch um Liebe in Zeiten von Beschleunigung. Und natürlich um Liedhaftes. Also da ein Reim und dort ein Reim.
Vorstellen werde ich den Band am 21. Oktober in der Lettrétage, einer Gründerzeitvilla in Berlin-Kreuzberg, Methfesselstr. 23-25, 20 Uhr. Eintritt: 5 Euro. Für die ersten zwei, die sich im Kommentarfeld unten melden, gibts einen Platz auf der Gästeliste. Als Kostprobe ein Preview-Hippiegedicht und ein Preview-Anti-Google-Earth-Gedicht. (weiterlesen…)
Schlagworte:Anne Vagt, Cat Stevens, do-re-mi-maschine, Love Train, Lyrik, Lyrikedition2000, Peace Train
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