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	<title>blogmacherei &#187; Journalismus</title>
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		<title>Leertaste</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 23:03:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein surrealer Tag: Durch Kreuzberg fahren gegen 22 Uhr lautlose Polizeikolonnen mit Blaulicht, ein Sandwichmann mit elektronisch dudelner Hupe demonstriert alleine für das &#8220;Kommunale Wahlrecht&#8221; von etwas, das sich von Weitem wie TPrIPR liest, der Kellner in der Bar Trödler legt vor mich einen Zettel &#8220;Neben euch sitzt ein Dieb&#8221;. Woran erkennt man einen Dieb? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein surrealer Tag: Durch Kreuzberg fahren gegen 22 Uhr lautlose Polizeikolonnen mit Blaulicht, ein Sandwichmann mit elektronisch dudelner Hupe demonstriert alleine für das &#8220;Kommunale Wahlrecht&#8221; von etwas, das sich von Weitem wie TPrIPR liest, der Kellner in der Bar Trödler legt vor mich einen Zettel &#8220;Neben euch sitzt ein Dieb&#8221;</strong>. Woran erkennt man einen Dieb? An dem gestreiften T-Shirt, dem aufgepumpten Körper, der dicken Goldkette? Und was möchte er stehlen? Unser alten Handys? Oder die kostenlosen Flyer, die in unseren Taschen herumlagern, den Aufkleber &#8220;Circulate this&#8221; vom Londoner Bookshop <a href="http://bookshop.aaschool.ac.uk/" target="_blank">AA</a> oder die zwei Mixtapes &#8220;Girls grow up faster&#8221; und &#8220;Girls Internationale. &#8217;60s female artists from Foreign Lands&#8221;? Wir werden es nie erfahren, denn nachdem er immer näher gerückt war, gingen wir und zahlten.</p>
<div id="attachment_710" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-710" title="udm_boxset" src="http://www.blogmacherei.de/wp-content/uploads/udm_boxset-300x225.jpg" alt="udm_boxset" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Unter dem Motto-Box. Foto: Motto Distribution</p></div>
<p>Eigentlich wollte ich aber von der <strong>zweiten Messe unabhängiger internationaler Magazine im Kreuzberger Buchladen &#8220;</strong><a href="http://www.mottodistribution.com/site/" target="_blank"><strong>Motto</strong></a><strong>&#8220;</strong> erzählen, auf der wir vorher gewesen waren, aber dort erstand ich weder sperrige Theorietexte &#8220;What means why?&#8221;, tolle Zeichungshefte (Fukt Magazin), die lässige Literaturzeitschrift F.R. David noch das schöne Plakat mit Farbverlauf &#8220;Hot dogs are not book marks&#8221;, sondern nur besagte Mixtapes. Rebellion gegen Print? Nein. Denn noch eigentlicher wollte ich davon schreiben, dass ich heute zum ersten Mal in meinem Leben <a href="http://www.fr-online.de/home/wir-ueber-uns/65-jahre-frankfurter-rundschau/konfetti-der-gegenwart/-/4571522/4613716/-/index.html" target="_blank">zwei Zeitungsseiten</a> mit Text befüllt habe, überregional! Denn heute feierte die <strong>Frankfurter Rundschau ihr 65-jähriges Bestehen</strong> mit einer 64 Seiten dicken Beilage über die Zukunft von Print und Netz und ich durfte auch was dazu sagen. Die FR hat sich selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht und ihren Onlineauftritte erneuert. Ich finde, die Seiten sehen gut aus: Mir gefallen besonders die Reiter und die verlinkte Rubrizierung über den Texten. Das erleichtert das Navigieren enorm. Auch der viele <strong>Weißraum</strong>, den sich Onlineseiten immer mehr gönnen, so als verabscheuten sie auch, wie die Zeitungsmacher, endlose Bleiwüsten, hat es mir angetan. Weißraum war, das entnahm ich dem US-amerikanischen Webmagazin <a href="http://www.slate.com/id/2265214/" target="_blank">Slate</a>, übrigens schon seit Anbeginn der Zeitungsgeschichte integraler Bestandteil des Mediums: Der 1704 gegründete Boston News-Letter enthielt leere Stellen, auf denen der Leser seine eigenen Gedanken eintragen konnte &#8211; wie heute die Kommentatoren in Blogs.</p>
<p>Dieser Text sollte eigentlich eine <strong>Hommage an die Leertaste</strong> sein. Aberdashabichjetzttotalvergessen.</p>
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		<title>Sortenvielfalt speichern</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 15:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der indische Blogger Anatha Sayanan hat mir am Telefon erzählt, wie er versucht, alte Saatgüter und landwirtschaftliche Traditionen zu bewahren, die immer mehr von der industriellen Lebensmittelerzeugung und genmanipulierten Samen verdrängt werden. Das Protokoll des Gesprächs ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in einer Ausgabe, die sich damit beschäftigt, wie die digitalen Kulturen uns und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der indische<strong> Blogger Anatha Sayanan</strong> hat mir am Telefon erzählt, wie er versucht, <strong>alte Saatgüter und landwirtschaftliche Traditionen</strong> zu bewahren, die immer mehr von der industriellen Lebensmittelerzeugung und genmanipulierten Samen verdrängt werden. Das Protokoll des Gesprächs ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in einer <a href="http://www.ifa.de/pub/kulturaustausch/archiv/ausgaben-2010/e-volution/" target="_blank">Ausgabe</a>, die sich damit beschäftigt, wie die digitalen Kulturen uns und unseren Alltag verändern:</p>
<h5><span style="font-weight: normal;">Anantha Sayanan, geboren 1967 in Chennai, studierte Ingenieurswesen mit Schwerpunkt auf Elektronik und Kommunikation sowie Angewandte Computerwissenschaft an der Madras Universität. Danach arbeitete er in der Telekommunikationsbranche, bis er vor etwa 10 Jahren in die Schweiz zog. Vor vier Jahren kehrte er nach Chennai zurück. Mit Freunden und Aktivisten betreiben Sayanan und seine Frau einen <a href="http://www.restore.org.in" target="_blank">Non-Profit-Laden für ökologisch angebaute Produkte</a>. Sie reisen durchs Land, um sich über die Lage der indischen Landwirtschaft zu informieren. Von den Menschen, denen sie begegnen, und ihren grünen Projekten handelt Sayanas Blog <a href="http://www.ananthoosupdates.blogspot.com" target="_blank">ananthoosupdates</a>.</span></h5>
<p>Fünf Jahre lang habe ich in der Schweiz gelebt und in der IT-Industrie gearbeitet. Als ich vor vier Jahren zurück nach Indien ging, entschieden meine Frau und ich, etwas Sinnvolles zu tun: Ich interessierte mich für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Bildung im ländlichen Indien, also dachte ich, ich schaue mir das vor Ort am besten selbst an. <strong>Ich gab meinen Job auf, und wir fingen an zu reisen. Seitdem leben wir von meinem Ersparten.</strong><br />
<span id="more-635"></span><br />
Ich bin kein Journalist, ich kann nicht gut schreiben. Nur damit meine Freunde wissen, wo ich bin und wie es mir geht, habe ich mit dem Bloggen angefangen. Mein Blog ist ein persönliches Tagebuch. Es dient keinem größeren Zweck, richtet sich nicht an eine breitere Öffentlichkeit und will keine bestimmte Botschaft senden. I<strong>ch zeichne etwas auf, was vielleicht morgen etwas nützt.</strong></p>
<p>Je mehr wir reisten, desto mehr fingen wir an, uns mit organischer Landwirtschaft zu beschäftigen. Ich dokumentiere auf meinem Blog vor allem die natürliche Verarbeitung von traditionellem Saatgut. Denn in diesem Bereich ging schon sehr viel kulturelles Wissen verloren. Viele Hirsesorten, die besser und oft auch älter sind als Reis, werden nicht mehr angebaut, obwohl sie in allen Zivilisationen zu finden waren: Man spricht etwa von ungarischer, italienischer, indischer Hirse. Ihre Kohlenhydrate sind sehr komplex, sodass der Körper die Glukose langsam aufnimmt. Um diese Körner zu verarbeiten, müssen verschiedene Zellschichten aufgespalten werden. Früher hat man das einfach zu Hause per Hand gemacht, in kleinen Steinmühlen. Man produzierte für den Eigenbedarf. Mit der steigenden Bevölkerung, mit Verstädterung und Supermärkten stirbt diese Art der Lebensmittelherstellung und bald darauf geht auch das Saatgut verloren.</p>
<p>Im April 2010 schrieb ich auf meinem Blog über ei- ne 1.000 Kilometer lange Reise in das Rishi Valley, drei Stunden von Bangalore entfernt, in dem ich mich über die traditionelle Rohrzucker-Produktion informierte: Das Zuckerrohr wird gepresst, der Saft wird ein paar Stunden gekocht und danach zu braunen Blöcken geformt. <a href="http://ananthoosupdates.blogspot.com/2010/04/jaggery.html" target="_blank">It is such a simple and sweet process! </a>Um weißen Industrizucker herzustellen, wird Zuckerrohr verwendet, das mit 50 verschiedenen Düngemitteln und Pestiziden behandelt wurde; danach wird es mit Natriumhydrosulfit gebleicht. Warum? Um unserer „Weiß-Krankheit“ gerecht zu werden: weißer Reis, weißes Mehl, weiße Zähne &#8230; Wir haben gedacht, wenn wir unsere Technologien verbessern, werden die Ernten hygienischer und schneller. Aber davon profitieren nur ein paar große Unternehmen wie der US- amerikanische Konzern Monsanto, der heute den Groß-teil unseres Saatguts liefert. <strong>Das erste Produkt, mit dem Monsanto auf den Markt kam, war Saccharin, künstlicher Süßstoff. Keine Mineralstoffe, keine Vitamine.</strong></p>
<p>Ich bin einfach ein Beobachter und versuche zu verstehen, was passiert ist und was wir verloren haben. Alter Reis enthält mehr Mineralien, weil er langsam wächst. Er braucht 150 bis 180 Tage, fast ein halbes Jahr. Der neue Reis wächst schnell, man kann ihn nach 50 bis 70 Tagen ernten. Wir wollen alles schnell, schnell. Früher hatten wir eine spezielle Reissorte, die man stillenden Müttern gab, sodass sie mehr Milch produzieren. Diese Reis gibt es nicht mehr. <strong>Ich habe einen Bauern getroffen, der einen Reis wiederbelebt hat, der schon von Buddha gegessen wurde, vor 2.500 Jahren. </strong>Wir sollten mal eine Minute darüber nachdenken, was wir eigentlich meinen, wenn wir Landwirtschaft sagen, diese Technik, die uns über Jahrtausende überliefert wurde. Denn Saatgut überlebt nicht ewig. Ich muss es immer wieder aussäen, um neues zu ernten. <strong>Was wir heute haben, ist fast schon synthetisch. Es hat keinen dauerhaften Wert.</strong></p>
<p>Überall in Indien verstärkt sich der Protest gegen genverändertes Saatgut. Viele von uns Bloggern stehen miteinander über das Netz in Kontakt, starten E-Petitions, informieren über Meetings, schreiben und faxen an Abgeordnete. Das Internet ist also in kleinen Dingen hilfreich, aber es wird nicht das ländliche Leben revolutionieren. <strong>In Deutschland haben vielleicht 90 Prozent der Menschen einen Internetzugang. Hier in Indien ist die Internet-Verbreitung sehr gering, besonders auf dem Land. Viele Menschen leben noch ohne Strom und können ihren Besitz mit einer Hand tragen. </strong>Wenn es zu einer Katastrophe käme und die industrielle Lebensmittelproduktion aussetzte, würden sie im Wald überleben, weil sie noch wissen, was man essen kann und was nicht.</p>
<p>Die gesamte Welt rennt heutzutage dem Kommerz hinterher, will Gewinne machen. Immer mehr Agrarland in Indien wird industriell genutzt. Dort arbeiten die Men- schen dann nicht mehr auf dem Feld, sondern in der Fabrik. <strong>Wenn eines Tages unser Geld alle ist, wird das für uns ein glücklicher Moment.</strong> Dann bleiben wir einfach dort, wo wir sind, irgendwo im ländlichen Indien, gründen eine Farm und leben fröhlich bis ans Ende unsrer Tage.</p>
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		<title>Digitale Arbeitswelten</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 07:30:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe für die taz einen Essay geschrieben, darüber, wie sich digitale Arbeit organisieren lässt. Natürlich haben sich auch andere Leute zu diesem Thema viele Gedanken gemacht, einige erwähne ich in meinem Text. Daher stelle ich hier die Online-Dokumente für eine tiefergehende Lektüre zusammen: Charles Leadbeater schreibt auf der US-amerikanischen Intellektuellen-Plattform, der Frank Schirrmacher sein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe für die <a href="http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/wo-bin-ich-wenn-ich-ueberall-bin/" target="_blank">taz</a> einen Essay geschrieben, darüber, wie sich digitale Arbeit organisieren lässt. Natürlich haben sich auch <strong>andere Leute </strong>zu diesem Thema viele Gedanken gemacht, einige erwähne ich in meinem Text. Daher stelle ich hier die Online-Dokumente für eine tiefergehende Lektüre zusammen: Charles Leadbeater schreibt auf der US-amerikanischen Intellektuellen-Plattform, der Frank Schirrmacher sein erstes Interview zu seinem Überforderungsbuch &#8220;Payback&#8221; gab, über &#8220;<a href="http://edge.org/3rd_culture/leadbeater10/leadbeater10_index.html" target="_blank">The Promise and the Threat of Cloud Culture</a>&#8220;. Von einer Bedrohung mag Geert Lovink nicht sprechen, er nennt die <strong>Übermacht der Netzkulturen</strong>, bzw. ihren Einfluss auf unsere Zeitwahrnehmungen &#8220;<a href="http://www.eurozine.com/articles/2010-03-18-lovink-en.html" target="_blank">Kolonialisierung der Echtzeit</a>&#8220;.</p>
<p>Wie das allseits in Europa sehnlichst erwartete iPad <a href="http://www.mercedes-bunz.de/2010/04/ipad-the-day-after/" target="_blank">Situationen</a> &#8211; nicht nur Kommunikation &#8211; digitalisiert, erklärt Mercedes Bunz auf ihrem Blog: &#8220;The iPad is lovely, and it hangs out with you&#8221;. Sie weist aber auch darauf hin, dass Apple mit dem iPad keine offenen Situationen zulässt, sondern nur Tätigkeiten, die die jeweils gekauften Apps erlauben.  Die Zukunft liegt im <strong>Programmieren</strong>, meint sie. Das sehe ich ähnlich, für mich sind Programmierer gar die neuen Eliten. Sie bestimmten, was wir mit Computer machen dürfen (siehe auch Jaron Laniers Manifesto &#8220;<a href="http://www.jaronlanier.com/gadgetwebresources.html" target="_blank">You are not a Gadget</a>&#8220;).</p>
<p>Immer noch aktuell, was die Unmöglichkeit betrifft, Zukunft zu planen, wenn man in kurzfristigen Abständen denkt und arbeitet, ist der schon fast <strong>klassische Essay</strong> von Pierre Bourdieu &#8220;<a href="http://www.prekarisierung.de/tolleseite/TEXTE/prekabourdieu.htm" target="_blank">Prekarität ist überall</a>&#8220;, aus dem Jahr 1998.</p>
<p>Eine andere Form der Mediennutzung, eine, die vielleicht nicht so energie-absaugend und ermüdend ist, schlagen die Verfasser des <a href="http://www.slow-media.net/manifest" target="_blank">slow media-Manifests</a> vor. Hier mal der dritte Paragraph: &#8220;<strong>Slow Media fördern Monotasking</strong>: Slow Media lassen sich nicht nebenbei konsumieren, sondern provozieren die Konzentration der Nutzer. So wie die Herstellung eines guten Essens die volle Aufmerksamkeit aller Sinne eines Koches und seiner Gäste erfordert, können Slow Media nur in fokussierter Wachheit mit Genuss konsumiert werden.&#8221; Daher kommt jetzt kein Link mehr. Dieser Lesestoff reicht, oder? <strong>Ich wünsche gute Versenkung</strong>.</p>
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		<title>Blogs sind keine journalistischen Produkte?</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Nov 2009 14:01:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich glaubte bisher immer, der Kampf zwischen Journalisten und Bloggern sei ein herbeigeredeter und in Wirklichkeit näherten sich die Glaubensbekenntnisse beider Berufsbilder immer weiter an. Denn sogar FAZ-Redakteure bloggen, Alpha-Blogger erhalten wichtige Medienpreise wie im Oktober etwa Stefan Niggemeier den Hans Bausch Mediapreis des SWR (frühere Preisträger: Elke Heidenreich, Harald Schmidt, Frank Schirrmacher, Wolfram Weimer). [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_306" class="wp-caption alignleft" style="width: 490px"><img class="size-full wp-image-306" title="DJV Presseausweis" src="http://www.blogmacherei.de/wp-content/uploads/DJV-Presseausweis.JPG" alt="DJV Presseausweis" width="480" height="276" /><p class="wp-caption-text">... teilte mir der Journalistenverband Berlin-Brandenburg mit.</p></div>
<p>Ich glaubte bisher immer, der Kampf zwischen Journalisten und Bloggern sei ein herbeigeredeter und in Wirklichkeit näherten sich die Glaubensbekenntnisse beider Berufsbilder immer weiter an. Denn sogar FAZ-Redakteure bloggen, Alpha-Blogger erhalten wichtige Medienpreise wie im Oktober etwa Stefan Niggemeier den <a href="http://www.swr.de/presseservice/archiv/2009/-/id=4288024/nid=4288024/did=5487240/lu6al0/index.html" target="_blank">Hans Bausch Mediapreis des SWR</a> (frühere Preisträger: Elke Heidenreich, Harald Schmidt, Frank Schirrmacher, Wolfram Weimer). Hier ein Auszug aus der Jurybegründung:</p>
<blockquote><p>Als Medienkritiker stellt er hohe Ansprüche an die Medien, über die er schreibt. Er stellt diese Ansprüche aber genauso an sich selbst und überträgt sie so auf das Medium, in dem er schreibt. Damit überführt er die journalistischen Tugenden der ‚alten‘ Medien in das neue Medium Internet und trägt wesentlich zur Etablierung journalistischer Standards im Netz bei. Er richtet sich nach den Tugenden, die für jeden Journalisten gelten – egal ob er für Zeitung, Radio, Fernsehen oder das Internet arbeitet: Er prüft die Fakten, auch dort, wo sie von anderen vielleicht ungeprüft übernommen wurden. Er recherchiert gründlich und wahrt Distanz.</p></blockquote>
<p>Gründlich recherchieren, dazu gehört heute auch das Internet mit seinen vielen verschiedenen Quellen (ich meine nicht Google und Wikipedia). Zeitgemäße Journalistenschulen wie die DJS München bilden bereits ihre Zöglinge auch darin aus, &#8220;das Internet mit seinen neuen Anwendungen&#8221; (damit ist wohl Social Media gemeint) als &#8220;<a href="http://cms.djs-online.de/seite2009/?page_id=211" target="_blank">praktisches Recherchetool</a>&#8221; zu verwenden. Die BBC veröffentlichte gar alle Tweets über die Demonstrationen in Iran als schnelle, ungeprüfte Nachrichten &#8211; die dann von Journalisten vor Ort verifiziert wurden und, sobald sie bestätigt waren, ein Wahrheits-Häkchen bekamen. Offline und online gehen immer mehr zusammen. Dachte ich.</p>
<p>Aber nein, der <a href="http://jvbb-online.de/" target="_blank">Journalistenverband Berlin-Brandenburg</a> belehrte mich eines Besseren und behauptete mir gegenüber klipp und klar, Blogs seien keine journalistischen Produkte. Nun frage ich mich: Was macht denn journalistische Produkte aus, was Blogs nicht haben? Unabhängigkeit, Recherche, Meinungsbildung und -freiheit, Spezialisierung, Themenkonzepte, redaktionelle Planung&#8230; All das findet sich auch in Blogs. Natürlich nicht in allen, aber das Differenzieren und Nachfragen ist ja auch eine journalistische Tugend.</p>
<p>Dass der Journalistenverband es sich leisten kann, so zu pauschalisieren, ist peinlich, unjournalistisch und realitätsfern. Ich gebe dem Verband noch eine Chance und bitte um eine Definition für &#8220;journalistische Produkte&#8221;. Das tue ich schriftlich, denn dann kann ich wieder so ein schönes Foto machen.</p>
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		<title>Telecoms Package</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 13:19:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich verbinde nicht viel Gutes mit der Telekom: teuer, langsam, zu lang laufende Verträge. Ich hab die Treue gekündigt, die mir anerzogen wurde (früher, vor der Privatisierung der Telekommunikation, gabs nur Telekom, mehr nicht). Paradox ist daher, dass das Paket zur Förderung von mehr Transparenz, mehr Sicherheit, mehr Wettbewerb und mehr Grundrechten der europäischen Internet-Nutzer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich verbinde nicht viel Gutes mit der <strong>Telekom</strong>: teuer, langsam, zu lang laufende Verträge. Ich hab die Treue gekündigt, die mir anerzogen wurde (früher, vor der Privatisierung der Telekommunikation, gabs nur Telekom, mehr nicht). Paradox ist daher, dass das Paket zur Förderung von mehr Transparenz, mehr Sicherheit, mehr Wettbewerb und mehr Grundrechten der europäischen Internet-Nutzer &#8220;<a href="http://www.europarl.europa.eu/news/expert/background_page/058-54931-124-05-19-909-20090504BKG54930-04-05-2009-2009-false/default_de.htm" target="_blank">Telecoms Package</a>&#8221; heißt. Vielleicht ist es purer Zufall (und der Abkürzung von &#8220;telecommunications&#8221; geschuldet), aber ich sehe natürlich alles sofort rosa-grau.<span id="more-278"></span></p>
<p>Mit der Telekom hat das Gesetzespaket eigentlich nichts zu tun. Es stützt die Öffnung des europäischen Netzmarktes &#8211; jeder Bürger soll sich frei einen europäischen Internetanbieter aussuchen dürfen &#8211; und will den Verbraucherschutz stärken (etwa den Datenschutz, aber auch die <a href="http://www.eurotopics.net/de/archiv/results/archiv_article/ARTICLE58459-Internet-muss-frei-bleiben" target="_blank">Informationspflicht</a> des Anbieters, wenn Seiten gesperrt werden). Das ist alles gut und schön. Und wie bei der Durchsetzung der europaweiten Roaming-Gebühren kann das Europäische Parlament mal zeigen, dass es für die europäischen Bürger da ist.</p>
<p><strong>Streit</strong> entlud sich dann vor allem am <strong>französischen Drei-Stufen-Modell </strong>(<a href="http://www.laquadrature.net/wiki/HADOPI_Senat_petite-loi_translation" target="_blank">Hadopi</a>-Gesetz) zur Bekämpfung von Piraterie, das der französische Präsident Nicholas Sarkozy zunächst auf nationaler Ebene vom französischen Parlament hatte <a href="http://www.lemonde.fr/cgi-bin/ACHATS/acheter.cgi?offre=ARCHIVES&amp;type_item=ART_ARCH_30J&amp;objet_id=1082180&amp;clef=ARC-TRK-D_01" target="_blank">absegnen</a> lassen, das aber dann vom französischen Verfassungsgericht wieder gekippt worden war. Das Gesetz forderte, dass derjenige, der Daten illegal herunterlädt, dreimal verwarnt werde, die letzte Verwarnung führe zum Abklemmen seines Internetzugangs. Das Parlament hatte bereits in einer zweiten Lesung im <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/eu-parlament-kickt-wohl-internetsperrungen-raus/" target="_blank">Mai 2009 </a>einen veränderten Zusatz 138 angenommen, der festlegt, dass <em>immer</em> ein richterlicher Beschluss vorliegen müsse, um jemanden aus dem Internet zu schmeißen, eine &#8220;<a href="http://futurezone.orf.at/stories/309857/" target="_blank">Ohrfeige für Sarkozy</a>&#8220;. Auch Bürgerorganistationen wie <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/dringend-europaabgeordnete-zum-telekom-paket-kontaktieren/" target="_blank">Netzpolitik</a> und <a href="http://www.laquadrature.net/en/amendment-138-46-adopted-again" target="_blank">La Quadrature du Net</a> setzten sich für diese Änderung ein.</p>
<p>In dieser Woche hat das Parlament seine starke Haltung erneut klar herausgestellt. In der Nacht zum 6. November wurde der Kompromiss auch von Kommission und EU-Rat angenommen. Bedeutet: Das <strong>Recht auf Internetzugang</strong> wurde geschützt, nationale Regierungen und Internetanbieter können nur über den Weg des Gesetzes sperren. Diese Entscheidung ist auch <strong>ökonomisch sinnvoll</strong>, sorgen doch der Internet- und Telefonie-Markt für ein <a href="http://ec.europa.eu/news/science/071113_1_en.htm" target="_blank">Viertel des Wachstums</a> der europäischen Wirtschaft, der jährliche Umsatz beträgt 649 Milliarden. Hier zu viele Regeln gegen die Verbraucher aufzulegen, würde diesem Markt nur schaden.</p>
<p><em>Endgültig abgestimmt wird über das gesamte Paket Ende November (23. bis 26.) im Europäischen Parlament in dritter Lesung.</em></p>
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		<title>Logged in? How our daily lives have changed since 1989</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Oct 2009 23:43:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>What did you do on November 9th 1989</strong>? Do you remember? I was thirteen years old and sleeping snugly in my bed in Bremen, Northern Germany, West Germany, when my parents woke my younger sister and me up and allowed us to sit down in front of the television in the living room. This felt like Revolution (with a big R) in our children’s world: Usually, we were neither allowed to watch TV nor to stay up late, except on New Year’s Eve. But this wasn’t New Year’s Eve nor was the TV showing the traditional end-of-the-year comedy &#8220;<a href="http://www.ndr.de/unterhaltung/dinner_for_one/index.html" target="_blank">Dinner for One</a>&#8220;, where an old lady celebrates her 90th birthday in a circle of friends, each of them impersonated by her butler James who is getting totally drunk.<span id="more-265"></span></p>
<p>But what we saw on the screen looked very much like a huge street party. Crowds of laughing people, shouting &#8220;<strong>Wahnsinn&#8221; </strong>in disbelief, people crying, embracing each other, standing on the Berlin Wall, waving, talking to each other, still not quite understanding what was going on .</p>
<p>The Polish journalist Adam Michnik, editor-in-chief of the influential Polish daily Gazeta Wyborcza and participant of the Polish Round Table in 1989 &#8211; a genuine Polish invention for democratic change &#8211; has <a href="http://www.eurozine.com/articles/2009-04-30-michnik-de.html" target="_blank">called</a> 1989 an &#8220;<strong>annus mirabilis</strong>&#8220;, a year of wonders. Because in 1989, everywhere in Europe people were demonstrating non-violently for their rights and their freedom.</p>
<p>When we look back today, our historical consciousness presents us with a circle of democratic energy all over Europe ranging from Gdansk to Prague and Budapest and Leipzig. But people in Eastern and Western Europe were not the only ones to connect. At the same time, <a href="http://www.guardian.co.uk/technology/interactive/2009/oct/23/internet-arpanet" target="_blank">another network</a>, the <strong>World Wide Web </strong>was founded by Tim Berners-Lee. It was based on a programme called hypertext, linking information and documents between decentralised computer hosts. (In 1989, there already were 150.000 hosts. Now, in 2009, there are 681.064.561.)</p>
<p>I got my first email account when I started studying in 1996. I remember the screens being black and the writing green when I logged in at the university’s computing centre, and I had to talk with the computer in some weird code language in order to enter my account. My first essay for a university course I wrote on my parents’ typewriter, getting a very bad mark for aesthetics. I have to admit, my handwritten corrections inserted between the printed letters didn’t look good.</p>
<p>Today, it is impossible to study anywhere in Europe without using a computer, without being connected to the internet, without having access to digitalised knowledge. Most of you are probably members of several social networks by now, such as Facebook or MySpace, sharing personal information and pieces of interest with your circle of friends, sending out copies and codes. This year, Facebook has become the most used social network, with 300 million members. If it were a country, <strong>Facebooklandia</strong> would be <a href="http://techpresident.com/blog-entry/and-goodwill-facebook-friends" target="_blank">8th biggest country</a> in the world. A country without national borders, without passports, without border control. A transnational state – without a democratically elected government, ruled by software and those who control it instead of being legitimised by a constitution. There is some hope, that Facebook might use its power for good causes, playing &#8220;a part in promoting peace by building technology that helps people better understand each other.&#8221; This is how  <a href="http://news.cnet.com/8301-13577_3-10384523-36.html" target="_blank">Caroline McCarthy </a>from CNET News explains the new site <a href="http://peace.facebook.com/" target="_blank">Peace.Facebook.com</a>. It wants to enable people to exchange their ideas about a peaceful world and to connect activists. So far, it presents links to some anti-violence groups and charts of how friends from different ethnic backgrounds are connected as well as charts about &#8220;world peace&#8221;.</p>
<p>In short: The world is the net, we have become the net. Some of you might write blogs, some of you might have a YouTube or Vimeo channel to post your films. Every minute, 15 hours of material are uploaded on YouTube, 24 hours per day, 7 days a week. It has become very easy today to use software, to share information, to share thoughts and beliefs, to share creativity, to upload one’s ideas into the global data networks. Even the White House &#8211; the US government -, has switched to an open-source software (<a href="http://techpresident.com/blog-entry/whitehousegov-goes-drupal" target="_blank">Drupal</a>) a few days ago to run its official website. The Techpresident blog cited the government press office, saying that this way  the Obama administration was realising its ”vision for interactive government“. So, borders are coming down and it is all about interaction. It is about <strong>logging in</strong><strong>to</strong> or being logged into the global digital stream of consciousness.</p>
<p>So how not to get lost in these streams? We need <strong>filters</strong>. Filters are the new borders. The good thing is: You can create your own filter by getting connected to the media and people you find interesting and reliable. The bad thing is: You are also being filtered yourself, you are being &#8220;read&#8221; by the software that is running on your computer, software, that is checking your identity, for example, when you take quizzes on Facebook, when Google remembers your quieries and presents customised adverts in the right-hand column, when your data is being used and processed without your consent and knowledge.</p>
<p>However, the general European feeling is, that crossing national borders has become much easier, that borders are getting more and more permeable: The European Union <a href="http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=457&amp;langId=en" target="_blank">supports</a> and guarantees the <strong>free movement</strong> of goods, labour, education. Some of you might have travelled to Arnoldshain without even showing your passports. On the other hand, some of you might have had to open their suitcases, might have had to queue for x-rays or had to fill in visa forms. You probably passed hundreds of surveillance cameras, your biometric passports might have been scanned, there were posters looking for internationally wanted terrorists, maybe you rubbed disinfectant on your hands to protect yourself from swineflu and other real or imagined threats. Your data might have been checked and filtered. These filters are getting even stronger, when we are looking at the external borders of the European Union: Refugees risk their lives to enter the &#8220;Fortress Europe&#8221;. Almost every day we hear on the news, that another boat has arrived on the Southern shores. We watch documentaries about the horrible conditions of refugee camps in Italy and Greece. 20 years ago, there was solidarity among the peoples in central and eastern Europe, a sudden change hailed in a new decade in history. I don’t want to get into historical detail here, but rather make one point that seems of some importance to me: It was a<strong> live revolution</strong> – transmitted by TV cameras. By being filmed the revolution itself stressed the rising power of visual media, their ability to cross borders and to connect and inform interested and open-minded people all over the world, across time zones. (Years later, in 2003, the Iraq war would become the first war shown live on TV through 24-hour news networks. Globally.)</p>
<p>For me and my sister back in the 80s a few hours of TV felt like a revolution. We didn’t know anything about cable nor about satellite TV, we played outside in the streets, hide-and-seek, sang songs with our mother, painted pictures, we grew up in West Germany in the 1980ies, a decade of economic stability, only interrupted by the radioactive cloud coming from Chernobyl. For a year or so, we didn&#8217;t drink milk, we didn&#8217;t eat mushrooms. We knew the few and short, 6-digit telephone numbers of family and friends by heart, these numbers had to be dialled, not typed, we didn’t play computer games nor did we own mobile phones. When we wanted to meet a friend, we either arranged something at school or talked on the phone. You couldn’t just cancel a date via SMS; each date, each appointment was fixed once it had been arranged. This world, in retrospect, seemed very stable, very secure, very reliable, in comparison to my flexible online life of today. I have moved from an <strong>analogous childhood</strong> to a <strong>digital adulthood</strong>.</p>
<p>But not only my private life has been accelerating. After 1989, one generation substituted another much quicker than before. When I went to school, I was told, that <strong>generations</strong> last for a quarter of a century – now they only seem to be labels that cover a few years. Let me name only a few: We have seen the rise of the <strong>Generation X</strong>, being  working in precarious McJobs and being heavily influenced by popular culture, described by the Canadian writer <a href="http://www.coupland.com/" target="_blank">Douglas Coupland </a>in his &#8220;tales for an accelerated culture&#8221;. In Germany, the journalist Florian Illies coined the term of the <a href="http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=1083" target="_blank"><strong>Generation Golf</strong></a>, referring to the saturated generation born between 1970 and 1975, who were often given a Volkswagen Golf for their 18th birthday. Kurt Cobain, singer and key figure of the band Nirvana, was the key figure for the the <strong>Grunge Moveme</strong><strong>nt</strong> and their &#8220;Teen Spirit&#8221;, followed by the <strong>MTV generation</strong>, characterised by a short attention span of the length of a video clip. Today we are talking about the <strong>Generation Y</strong> and about <strong>Digital Natives</strong>, there is a <strong><a href="http://www.coupland.com/2009/03/30/book-generation-a-2/" target="_blank">Generation A</a></strong> (totally driven by the internet), there are <strong>Silvers Surfers</strong>, the first pensioners that grow old digitally, that keep connected via the web even though they cannot visit each other anymore. (You can follow, for instance, even the 104 year old woman<a href="http://twitter.com/Ivybean104" target="_blank"> Ivy Bean</a> on Twitter!) There are probably many more labels sticking to generations in your countries that I don’t know (maybe you&#8217;d like to tell me?).</p>
<p>It has all become about being in or being out today. Being online or offline (only one fifth of the world population has access to the internet), being inside the EU or not, having a job or not, living in the city or in the countryside, having the newest technological gimmick or not, having the EURO or not, speaking English (Chinese, Spanish&#8230;) or not. When the ARPANET, the first basic internet was established in 1969 between only 4 hosts in the US states of California and Utah, its first message was supposed to be „<strong>Login</strong>“. But the receiving computer crashed because it misread the word for „Log“ and the message had to be resent. Hours later, in the evening, it worked, the computers were connected. English since then has become the most spoken language in the EU, some call it „globish“, a sort of rudimentary <em>lingua franca</em>, and if you are not speaking English, you will have people laughing at you, as happened recently with Germany’s new foreign minister, Guido Westerwelle. In fact, it is all about <strong>understanding</strong>. With mobile phones we keep connected, always available, logging into mobile services, roaming, emailing, googleing, reading online newspapers from all over the world.</p>
<p>Let me shortly return to the night of 9 November 1989, a peaceful, mostly joyous night, which took everyone by surprise. When the East logged into the West, let me keep this internet metaphor, for a moment the energy of democratic grass-root movements was ruling, people were &#8220;voting with their feet&#8221; for their individual freedom, there was a will to reform political systems. Thus, one month earlier, on 10 September 1989, the <a href="http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/DieDeutscheEinheit_aufrufNeuesForum/index.html" target="_blank">founding document</a> of the first democratic citizen platform &#8220;Aufbruch 89/Neues Forum&#8221; in the GDR had stated the need for a &#8220;<strong>democratic dialog</strong><strong>ue</strong> about the obligations of a legitimate state, of the economic and the cultural system. We have to discuss and think about these questions publicly, together and everywhere in our country“. Interestingly enough, the majority of GDR citizens did not wish for a reunified Germany, rather believed that there would have developed a <a href="http://www.chronikderwende.de/dokumente/umfrage_jsp/key=c15dez.html" target="_blank">confederation</a> of two states until 1999. But in the tumult of history, everything sped up. There were the first German elections in 1990, chancellor Helmut Kohl was promising ”flourishing landscapes“, a new vocabulary came up: Besserwessi, Jammerossi, Soli(daritätszuschlag), Begrüßungsgeld. The European Union grew: from 12 to 15 member states in 1995, then to 25 member states in 2004 with the accession of the Eastern European countries, Bulgaria and Romania joined in 2007, we now have the EU 27, and we might get even bigger: Croatia is waiting to log in, and so is Turkey.</p>
<p>Although 1989 was about &#8220;<strong>looking for freedom&#8221;</strong> (David Hasselhoff), about the freedom to vote, to speak out, to travel, to believe, this &#8220;<strong>wind of change</strong>&#8221; (Scorpions) felt a bit <strong>chilly</strong>, it also made many people feel lonely, they felt they were standing on shaking ground: like the first piece of the wall being taken out at Potsdamer Platz in the centre of Berlin by a crane, hanging in the night sky as if it was flying, as if it was ignoring gravity, as if it was obeying only its own rules. This <strong>piece of the wall</strong> we might take as a  symbol for individual freedom, a freedom that still had to be defined. When you visit Potsdamer Platz today, you find tourists looking at this piece of the wall – it looks tiny between cinema complexes, a huge shopping mall and many business skycrapers. Only one year after the fall of the wall, you could already buy original remnants from auctions. The first one took place in June 1990, in Montecarlo, where the Hennessy clan, the famous French Cognac producing family, bought one. Also the CIA, George Bush senior and the Museum of Modern Art in New York own a „Stützwandelement UL 12-11“, height 3,60 metres, width 1,20 metres, weight 2750 kg. In September 2008, a Berlin auction house sold one of the few remaining sections of the Berlin Wall for more than 7,800 euros.</p>
<p>Why am I talking so much about the wall? It also symbolises how fast the world has changed, at least in Germany.<strong> A concrete wall for border control has become an object on sale on the global market. </strong>You can buy it via <a href="http://kleinanzeigen.ebay.de/anzeigen/s-Anzeige/Sammlung-Original-Berliner-Mauerstücke/1063693" target="_blank">Ebay</a>, it will be delivered to your doorstep. Unlimited choice: Quite the contrary to the consumer culture in the GDR.</p>
<p>Let me tell you a joke, I heard on the radio the other day: A woman with an empty bag is standing in front of the GDR supermarket chain Konsum. She is speaking to herself: &#8220;Mmh, I’m not sure, have I already been shopping or not?&#8221; Maybe it is an irony of history, that the GDR supermarkets were called <strong>Konsum</strong>, when really they were famous for their empty shelves – and that a chain of malls now very present in Eastern Germany is called <strong>Real</strong>, as if the only reality experience imported from the West was &#8220;real shopping&#8221;. Was 1989 really about the freedom to shop? The freedom to consume? Was consumerism the new value to follow? Let me give you another image, of the day after: 10 November 1989: a row of trabis, East-German cars about which many jokes have been made, as well, because they were not very fast, used smelly petrol and were quite tiny. On 10 September 1989, they were creating historic traffic jams, squeezing through opened border controls. The GDR citizens became mobile. Now, in 2009, you can take part in &#8220;<strong>Trabi Safaris</strong>&#8221; in Berlin. The daily life of the GDR is selling well: so-called &#8220;ostalgia&#8221; (nostalgia for the East) has become something exotic. If you want to rent a Trabi for 1 hour with 2 people, you need to pay 80 Euros.</p>
<p>Of course, this Trabi Safari is not really depicting mobility. It is a pseudo mobility, imitating a historical experience. But it tells us something about the past and about our present. The Trabi Safari <strong>connects experiences</strong>: Everyone can get into a Trabi, you, me, and find out how it feels to be stearing this GDR car. The same happens when you talk to people who have experienced the changes since 1989, when you do research for a film, an article, when you start finding out about the others’ experiences. And new media, that has sped up our lives so much, can help us here. <a href="http://www.rheingold.com/vc/book/10.html" target="_blank">Howard Rheingold</a>, a sociologist from the US West Coast, a region that is always about 20 years ahead of global processes, has predicted that social media turns us into &#8220;more humane communites&#8221;, that they might prevent loneliness and isolation. In one of the biggest US blogs, the Huffington Post, the social media journalist <a href="http://www.huffingtonpost.com/jared-cohen/is-social-media-really-ch_b_327164.html" target="_blank">Jared Cohen</a> asked whether we should rename social media into &#8220;<strong>connection technologies</strong>&#8220;. One commentator asked back: Why not call it &#8220;<strong>connectology&#8221;</strong>, another one proposed &#8220;<strong>active technology</strong>&#8220;.</p>
<p>And now I have come nearly to the end of my thoughts about borders, about being inside or outside. I think we need to be active on both sides, we need to be aware of borders, in order to see them moving, to be conscious of tectonic energies. We need to realise that there are still many borders to be aware of and to overcome, regarding gender equality, integration, press freedom (Berlusconi), the new invisible governments of internet giants like Google. Ingo Schulze, a German writer who was present at the Monday demonstrations in Leipzig, the biggest one taking place on 9 October 1989, with 70.000 people, has just described this movement in the German weekly DIE ZEIT like this: &#8220;In Poland, a Solidarnosc government was determining it’s countries fate, the Hungarians had opened the Austrian border on 9 September, in the GDR, the first opposition Das Neue Forum was founded one day later. The call <strong>Let us out </strong>had changed into <strong>We will stay here</strong> at the end of September.&#8221;</p>
<p>We are living in a global era, most of us belonging to this <strong>global generation</strong>, leaving our villages, small towns, a generation that is mobile – in reality and in communication. We are living in a world without limits, it seems. We have limitless possibilities. We could be happy. And still something is missing. In Germany, some 11 percent wished for a return to the GDR system in January 2009, only 22 percent perceived themselves as real BRD citizens. So, there is still a gap between East and West in Germany. There is a feeling of non-belonging. A few years ago, we had a debate about the gap between the &#8220;old&#8221; and the &#8220;new Europe&#8221;. So is there even an inner-European divide? Have the changes come too quickly for us to really come together? The German sociologist Hartmut Rosa has written a book of more than 500 pages about <strong>acceleration</strong> (&#8221;Beschleunigung&#8221;) in 2005. In order to read this you need to sit down for a while. Also, the French philosopher Paul Virilio has been talking for years now about &#8220;polar intertia&#8221; (&#8221;Rasender Stillstand&#8221;) (1990), criticising new technologies for just simulating speed, and in reality erasing space and time, fixing us in immobility in front of our screens in an &#8220;electronic apartheid&#8221;.</p>
<p>Maybe we need to slow down a little bit and switch of the machines, in order to think about existing borders, how  they endanger our seemingly limitless freedom? Well, I don’t think so. I rather think, we have to live WITH borders, we have to become <strong>bi-textua</strong><strong>l</strong>, knowing both sides of the reality coin, sitting in front of the computer, passively, but also going out into the real world, actively, and to tell each other about it, as communitarian beings. The Italian writer Claudio Magris who has been awarded the Peace Prize of the German Book Trade 2009 has always been writing about borders, he has been moving along borders in his writing, for example in his great biography about the river Danube. His laudator the historian Karl Schlögel praised this sort of writing as productive, because working at and on borders means that you have to open up to another side. He praised Magris for depicting a &#8220;<strong>civiltá mitteleuropea</strong>, a middle European citizenship, that can take on paradoxons and can think the other side&#8221;.</p>
<p>So, let us now move to the other side. To the many other sides. What did you do in 1989? Or, if you cannot remember, what did your parents and friends do? And how has your daily life changed? As Martin Scorsese said once: &#8220;Cinema is a matter of what’s in the frame and what’s out.&#8221; You can decide, what’s in your frame. <strong>You can decide where and when you want to log in. </strong></p>
<p><strong></strong><em>(Presented at Conference &#8220;<a href="http://www.evangelische-akademie.de/admin/projects/akademie/pdf/programme/096146.pdf" target="_blank">Border Crossings</a>&#8221; at Evangelische Akademie Arnoldshain, 1 November 2009)</em></p>
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		<title>Warum ein Internet-Manifest?</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 13:40:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Manifest zu schreiben, heißt, seine Meinung in klaren Punkten kundtun, heißt, zur Gegenmeinung auffordern, heißt, laut um inhaltliche Aufmerksamkeit buhlen, ist auch Aufforderung zur Aktion. Am 7. September haben 15 einflussreiche deutsche Bloggerinnen und Blogger ein Internet-Manifest veröffentlicht. Erstmal: Toll, dass die Domain noch frei war! Toll auch, dass es auf sieben Sprachen zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Manifest zu schreiben, heißt, seine Meinung in klaren Punkten kundtun, heißt, zur Gegenmeinung auffordern, heißt, laut um inhaltliche Aufmerksamkeit buhlen, ist auch Aufforderung zur Aktion. Am 7. September haben 15 einflussreiche deutsche Bloggerinnen und Blogger ein <a href="http://internet-manifest.de/" target="_blank">Internet-Manifest</a> veröffentlicht. <span id="more-76"></span>Erstmal: Toll, dass die Domain noch frei war! Toll auch, dass es auf sieben Sprachen zur Verfügung steht &#8211; Vielsprachigkeit ist neu in der sehr deutschen Blogosphäre.</p>
<p>Aber was steht drin? Mit &#8220;17 Behauptungen&#8221; will es uns erklären, wie Journalismus im Internet funktioniert. Julia Seeliger ordnete es in der <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/bitte-redet-ueber-geld" target="_blank">taz</a> in die Debatte um geistiges Eigentum im Internet ein, zusammenhängend mit den stärkere Kontrolle fordernden Äußerungen wie dem <a href="http://www.textkritik.de/urheberrecht/index.htm" target="_blank">Heidelberger Appell</a>, der <a href="http://www.axelspringer.de/downloads/153453/Hamburger_Erklaerung.pdf" target="_blank">Hamburger Erklärung</a> zum Schutz geistigen Eigentums und Frank-Walter Steinmeiers Angriff auf <a href="http://carta.info/14150/frank-walter-steinmeier-medienpolitik-spd/" target="_blank">Googles Allmach</a>t. Sie findet, die Kollegen hätten es besser gekonnt. Das Blog <a href="http://print-würgt.de/2009/09/07/das-internet-manifest-wort-fur-wort-kommentiert" target="_blank">Print würgt</a> kommentiert das Dokument Wort für Wort. Meine Meinung dazu ist schnell geschrieben: Mir kommt die gesamte Aktion, so kurz vor der Bundestagswahl, wie ein Wahlwerbespot für die Piraten vor. Hätte man die Thesen nicht besser auf ihrer <a href="http://www.piratenpartei.de/" target="_blank">Parteiwebseite</a> veröffentlichen sollen?</p>
<p>Und warum es eigentlich Manifest nennen? Hinter einem Manifest stehen immer konkrete Handlungsaufforderungen, auch Handlungszusagen, eben jener, die das Manifest unterzeichnet haben. So war das schon beim <a href="http://www.kunstzitate.de/bildendekunst/manifeste/futurismus.htm" target="_blank">Futuristischen Manifest</a> von Marinetti, beim <a href="http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm" target="_blank">Kommunistischen Manifest</a> von Karl Marx und Friedrich Engels, und bei Walter Gropius&#8217; <a href="http://www.kunstzitate.de/bildendekunst/manifeste/bauhaus_1919.htm" target="_blank">Bauhaus-Manifest</a>, das die Trennung zwischen Künstlern und Handwerkern aufbrechen wollte. Das Internet-Manifest will aber vor allem, dass sich die anderen anders verhalten, die Unterzeichnenden versprechen keine Besserung.</p>
<p>MeinVorschlag: Machen wir einfach aus einem alten ein neues Manifest. Tauschen wir im Gropius-Originaltext mal &#8220;Kunst&#8221; mit &#8220;Bloggen&#8221; und &#8220;Handwerk&#8221; mit &#8220;Journalismus&#8221; aus:</p>
<blockquote><p>Architekten, Bildhauer, Maler, wir Blogger müssen zum Journalismus zurück! Denn es gibt keinen &#8216;Blogger von Beruf&#8217;. Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Blogger  und dem Journalisten. Der Blogger ist eine Steigerung des Journalisten. Gnade des Himmels läßt in seltenen Lichtmomenten, die jenseits seines Wollens stehen, unbewußt Blogs aus dem Werk seiner Hand erblühen, die Grundlage des Journalismus-mäßigen aber ist unerläßlich für jeden Blogger. Dort ist der Urquell des schöpferischen Gestaltens.</p></blockquote>
<p>Also nicht: Der Journalismus muss sich wandeln, sondern jeder Blogger muss seinen Journalismus kennen, erst dann ist er ein wahrer Blogger. (Der Text funktioniert übrigens auch, wenn man die beiden Berufe austauscht; dann heißt es: &#8220;Die Grundlage des Blog-mäßigen ist unerlässlich für jeden Journalisten&#8221;. Und damit hat der Text auch recht.)</p>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 14:46:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogpraxis]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der indische Blogger Anantha Sayanan hat mir erzählte, wie er versucht, alte landwirtschaftliche Traditionen zu bewahren und gegen die Verwendung von Gen-Soja zu protestieren. Dieses Protokoll eines Telefonats mit ihm ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in der Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt e-volution, die sich damit beschäftigt, wie digitale Welten unsere Kulturen verändern.
Anantha Sayanan, geboren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der indische Blogger Anantha Sayanan hat mir erzählte, wie er versucht, alte landwirtschaftliche Traditionen zu bewahren und gegen die Verwendung von Gen-Soja zu protestieren. Dieses Protokoll eines Telefonats mit ihm ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in der Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt <a href="http://www.ifa.de/pub/kulturaustausch/archiv/ausgaben-2010/e-volution/" target="_blank">e-volution</a>, die sich damit beschäftigt, wie digitale Welten unsere Kulturen verändern.</strong></p>
<h5><span style="font-weight: normal;">Anantha Sayanan, geboren 1967 in Chennai, studierte Ingenieurswesen mit Schwerpunkt auf Elektronik und Kommunikation sowie Angewandte Computerwissenschaft an der Madras Universität. Danach arbeitete er in der Telekommunikationsbranche, bis er vor etwa 10 Jahren in die Schweiz zog. Vor vier Jahren kehrte er nach Chennai zurück. Mit Freunden und Aktivisten betreiben Sayanan und seine Frau einen </span><a href="http://www.restore.org.in" target="_blank"><span style="font-weight: normal;">Non-Profit-Laden für ökologisch angebaute Produkte</span></a><span style="font-weight: normal;">. Sie reisen durchs Land, um sich über die Lage der indischen Landwirtschaft zu informieren. Von den Menschen, denen sie begegnen, und ihren grünen Projekten handelt Sayanas Blog </span><a href="http://www.ananthoosupdates.blogspot.com/" target="_blank"><span style="font-weight: normal;">ananthoosupdates</span></a><span style="font-weight: normal;">.</span></h5>
<p>Fünf Jahre lang habe ich in der Schweiz gelebt und in der IT-Industrie gearbeitet. Als ich vor vier Jahren zurück nach Indien ging, entschieden meine Frau und ich, etwas Sinnvolles zu tun: Ich interessierte mich für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Bildung im ländlichen Indien, also dachte ich, ich schaue mir das vor Ort am besten selbst an. <strong>Ich gab meinen Job auf, und wir fingen an zu reisen. Seitdem leben wir von meinem Ersparten.</strong></p>
<p>Ich bin kein Journalist, ich kann nicht gut schreiben. Nur damit meine Freunde wissen, wo ich bin und wie es mir geht, habe ich mit dem Bloggen angefangen. Mein Blog ist ein persönliches Tagebuch. Es dient keinem größeren Zweck, richtet sich nicht an eine breitere Öffentlichkeit und will keine bestimmte Botschaft senden. <strong>Ich zeichne etwas auf, was mir vielleicht morgen etwas nützt.</strong><span id="more-631"></span></p>
<p>Je mehr wir reisten, desto mehr fingen wir an, uns mit organischer Landwirtschaft zu beschäftigen. Ich dokumentiere auf meinem Blog vor allem die natürliche Verarbeitung von traditionellem Saatgut. Denn in diesem Bereich ging schon sehr viel kulturelles Wissen verloren. <strong>Viele Hirsesorten, die besser und oft auch älter sind als Reis, werden nicht mehr angebaut, obwohl sie in allen Zivilisationen zu finden waren: Man spricht etwa von ungarischer, italienischer, indischer Hirse. </strong>Ihre Kohlenhydrate sind sehr komplex, sodass der Körper die Glukose langsam aufnimmt. Um diese Körner zu verarbeiten, müssen verschiedene Zellschichten aufgespalten werden. Früher hat man das einfach zu Hause per Hand gemacht, in kleinen Steinmühlen. Man produzierte für den Eigenbedarf. Mit der steigenden Bevölkerung, mit Verstädterung und Supermärkten stirbt diese Art der Lebensmittelherstellung und bald darauf geht auch das Saatgut verloren.</p>
<p>Im April 2010 schrieb ich auf meinem Blog über eine 1.000 Kilometer lange Reise in das Rishi Valley, drei Stunden von Bangalore entfernt, in dem ich mich über die traditionelle Rohrzucker-Produktion informierte: Das Zuckerrohr wird gepresst, der Saft wird ein paar Stunden gekocht und danach zu braunen Blöcken geformt. Um weißen Zucker herzustellen, wird Zuckerrohr verwendet, das mit 50 verschiedenen Düngemitteln und Pestiziden behandelt wurde; danach wird es mit Natriumhydrosulfit gebleicht. Warum? Um unserer &#8220;Weiß-Krankheit&#8221; gerecht zu werden: weißer Reis, weißes Mehl, weiße Zähne &#8230; Wir haben gedacht, wenn wir unsere Technologien verbessern, werden die Ernten hygienischer und schneller. Aber davon profitieren nur ein paar große Unternehmen wie der US- amerikanische Konzern Monsanto, der heute den Großteil unseres Saatguts liefert. Das erste Produkt, mit dem Monsanto auf den Markt kam, war Saccharin, künstlicher Süßstoff. Keine Mineralstoffe, keine Vitamine.</p>
<p>Ich bin einfach ein Beobachter und versuche zu verstehen, was passiert ist und was wir verloren haben. Alter Reis enthält mehr Mineralien, weil er langsam wächst. Er braucht 150 bis 180 Tage, fast ein halbes Jahr. Der neue Reis wächst schnell, man kann ihn nach 50 bis 70 Tagen ernten. Wir wollen alles schnell, schnell. Früher hatten wir eine spezielle Reissorte, die man stillenden Müttern gab, sodass sie mehr Milch produzieren. Diese Reis gibt es nicht mehr. Ich habe einen Bauern getroffen, der einen Reis wiederbelebt hat, der schon von Buddha gegessen wurde, vor 2.500 Jahren. Wir sollten mal eine Minute darüber nachdenken, was wir eigentlich meinen, wenn wir Landwirtschaft sagen, diese Technik, die uns über Jahrtausende überliefert wurde. Denn Saatgut überlebt nicht ewig. Ich muss es immer wieder aussäen, um neues zu ernten. Was wir heute haben, ist fast schon synthetisch. Es hat keinen dauerhaften Wert.</p>
<p>Überall in Indien verstärkt sich der Protest gegen gen- verändertes Saatgut. Viele von uns Bloggern stehen miteinander über das Netz in Kontakt, starten E-Petitions, informieren über Meetings, schreiben und faxen an Abgeordnete. Das Internet ist also in kleinen Dingen hilfreich, aber es wird nicht das ländliche Leben revolutionieren. In Deutschland haben vielleicht 90 Prozent der Menschen einen Internetzugang. Hier in Indien ist die Internet-Verbreitung sehr gering, besonders auf dem Land. Viele Menschen leben noch ohne Strom und können ihren Besitz mit einer Hand tragen. Wenn es zu einer Katastrophe käme und die industrielle Lebensmittelproduktion aussetzte, würden sie im Wald überleben, weil sie noch wissen, was man essen kann und was nicht.</p>
<p>Die gesamte Welt rennt heutzutage dem Kommerz hinterher, will Gewinne machen. Immer mehr Agrarland in Indien wird industriell genutzt. Dort arbeiten die Menschen dann nicht mehr auf dem Feld, sondern in der Fabrik. Wenn eines Tages unser Geld alle ist, wird das für uns ein glücklicher Moment. Dann bleiben wir einfach dort, wo wir sind, irgendwo im ländlichen Indien, gründen eine Farm und leben fröhlich bis ans Ende unsrer Tage.</p>
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