Archiv für die Kategorie „Blogpraxis“

Schmücke deine sterbende Hülle

Sonntag, 15. August 2010

Fühlen, Denken: Zeichnung von René Descartes (Wikicommons).

Ein weiteres Editorial für Los Superdemokraticos, diesmal über die Frage, wie Geist und Körper heute zueinanderstehen…

Neulich saß ich in einem Straßencafé und neben mir unterhielten sich vier Mädchen, Mitte 20, über Männer und Tattoos. Die eine hatte gerade einen Typen kennengelernt, der ein Zeichen auf der rechten Brust trug. „Da“, rief sie, und schlug mit der flachen Hand auf ihre Brust, „das ist der beste Platz für ein Tattoo!“ „Ja“, riefen die anderen, „das ist der beste Platz.“ Ich hatte bisher nicht viel über Tattoos nachgedacht. Vor zehn Jahren wünschte ich mir einen schwarzen Stern. Aber dann lernte ich einen Mann kennen, der exakt dieses Zeichen aus meinem Traum auf dem Oberarm trug und ich verliebte mich. In den Mann oder in das Tattoo? In den Körper oder in den Geist, der sich das ausgedacht hat? Und war das überhaupt zu trennen? (weiterlesen…)

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Sortenvielfalt speichern

Mittwoch, 14. Juli 2010

Der indische Blogger Anatha Sayanan hat mir am Telefon erzählt, wie er versucht, alte Saatgüter und landwirtschaftliche Traditionen zu bewahren, die immer mehr von der industriellen Lebensmittelerzeugung und genmanipulierten Samen verdrängt werden. Das Protokoll des Gesprächs ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in einer Ausgabe, die sich damit beschäftigt, wie die digitalen Kulturen uns und unseren Alltag verändern:

Anantha Sayanan, geboren 1967 in Chennai, studierte Ingenieurswesen mit Schwerpunkt auf Elektronik und Kommunikation sowie Angewandte Computerwissenschaft an der Madras Universität. Danach arbeitete er in der Telekommunikationsbranche, bis er vor etwa 10 Jahren in die Schweiz zog. Vor vier Jahren kehrte er nach Chennai zurück. Mit Freunden und Aktivisten betreiben Sayanan und seine Frau einen Non-Profit-Laden für ökologisch angebaute Produkte. Sie reisen durchs Land, um sich über die Lage der indischen Landwirtschaft zu informieren. Von den Menschen, denen sie begegnen, und ihren grünen Projekten handelt Sayanas Blog ananthoosupdates.

Fünf Jahre lang habe ich in der Schweiz gelebt und in der IT-Industrie gearbeitet. Als ich vor vier Jahren zurück nach Indien ging, entschieden meine Frau und ich, etwas Sinnvolles zu tun: Ich interessierte mich für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Bildung im ländlichen Indien, also dachte ich, ich schaue mir das vor Ort am besten selbst an. Ich gab meinen Job auf, und wir fingen an zu reisen. Seitdem leben wir von meinem Ersparten.
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Das kritische Rauschen

Mittwoch, 14. Juli 2010
Bloghütte_Nikola Richter

Die Bloghütte aus groben Holzplanken im unteren Foyer der Berliner Festspiele beherbergte ein angekettenes Laptop: das Bühnenbild fürs Onlinelesen beim tt10.

Die Kritiker sind nach Hause gefahren, die kritischen Daten bleiben. Denn Kritiker sind Datenverarbeiter. Da sind der Theatertext, die Spielfassung, Pressemitteilungen, Programmhefte, Diskurse, Kollegengespräche, Interviews, Online- und Offline-Recherchen, die gelesen werden wollen, und da ist natürlich die eigene teilnehmende Beobachtung als klatschender – oder nicht-klatschender, mitschreibender oder stillschweigender – Zuschauer. Da sind die Eindrücke, die Einordungen, die medial einprasseln. Schon 1984 – das Internet war gerade erst ein Jahr alt und mit 200 bis 400 teilnehmenden Großrechnern sehr übersichtlich – beschrieb der US-amerikanische Autor Don DeLillo in seinem berühmten postmodernen Roman “Das weiße Rauschen”, wie der Mensch in neuartigen Informationsflüssen versinkt. Heute möchte ich ihm zurufen: Nein, er versinkt doch überhaupt nicht!

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1 page of data

Donnerstag, 8. Juli 2010

I was asked to attend the Berlin launch of the State of the Future Report 2010 on 7 July 2010: It contains 7.000 pages of global data. Here comes a summary of 1 page. Useful?

It is hard to predict the future. Prehistoric men probably tried to read in the wind and in the water what the next days were bringing, the Greeks went to see the oracle of Delphi, we collect data. Globally. For years and years and years. There are the World Bank Report, the Millennium Goals Reports of the UN or the outlooks on financial stability of the International Monetary Fund. We have global reports on climate change, on migration, on cultural diversity. On the one hand, it is absolutely great, that we possess all this data, that scientists work hand in hand with politicians, with activists, with civil society. On the other hand, who will read all this stuff – besides the experts? And what impact will it have, if at all, because it really is loads and loads of data? How can it be used practically?

Yesterday, I attended the German launch of yet another report, The State of the Future Report 2010. It is published every year by the think tank Millennium Project, a cooperation between 3.000 experts, futurists, governmental officials, NGOs and enterprises in 35 so called nodes (centres) all around the world. For 14 years now, they assemble data and analyse it, trying to grasp the future development of 15 topics, for example infant mortality, population growth, women in parliament or corruption. This years’ report is so big, that its 7.000 pages are only available on CD-Rom. And I now stand there, stunned, how to summarize this amount of information. (weiterlesen…)

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Tag Null

Samstag, 12. Juni 2010

Gestern war WM-Start, der bisher heißeste Tag im Jahr und Tag Null in der superdemokratischen Zeitrechnung!

Denn gestern haben wir mit einer Party den Start von Los Superdemokraticos gefeiert, unserer literarischen Partei für intellektuelles Fairtrade. Vier Monate, bis 11. Oktober, läuft nun unsere zweisprachige literarische Kampagne mit 20 lateinamerikanischen und deutschen Autorinnen und Autoren in zwölf Ländern. Sie werden auf einem Blog darüber schreiben, wie sich Politik, Liebe, Arbeit und die Menschen in dem Land verändern, in dem sie leben”, wie es der Freitag, unser Medienpartner, so simpel wie anschaulich zusammengefasst hat.

Unsere real-life-Kampagne sieht so aus: Wir haben alle unsre Gäste, Freunde und die Bands el mató a un policía motorizado (Buenos Aires) und Sudaca Power (Berlin) mit Aufklebern markiert, ein Banner ins Acud gehängt und uns selbst als Werbeträger benutzt. Als ich das T-Shirt in einem Kreuzberger Copyshop bedrucken ließ, kam eine englischsprachige Frau in den Laden. Der Besitzer sagte zu ihr: “When you want to live here, you either have to learn German or Turkish.” Und dann presste er die Logos auf den Stoff.

Niko superdemokratisch

Wer diese T-Shirts gut findet...

Rery superdemokratisch

... kann sie bei uns bestellen!

Mich hat diese kleine Integrations-belehrung amüsiert, denn genau darum geht es ja auch uns, auf dem Blog: Wir wollen lesen, wie sich Autoren verorten, wie sie Fremdheit ertragen oder daraus schöpferisch tätig werden, wie sie sich als denkende, kreative Menschen selbst behaupten und damit viel über die Möglichkeiten von Dialog in ihrem Land erzählen. Bei unserem ersten Sommersalon (es folgen noch drei!), haben wir natürlich auch viel gequatscht, schließlich war der erste Arbeitstitel der Seite “Charlamos”/Lass uns quatschen. Wir quatschten also mit argentinischen Musikern über Jack Kerouacs “The Dharma Bums” und deutsches Bier, dachten über die Kürzungen in deutschen Finanzhaushalten nach, betrachteten eine merkwürdige Kaktuslampe, diskutierten mit Autoren über Rechtschreibfehler, die angemessene Vergütung von schriftstellerischer Arbeit und selbstorganisierte Demokratie – und planten bereits eine Abschluss-Konferenz in Buenos Aires. Alles ist möglich!

Den ersten Pingback gibts auch schon: Das cibera-Blog, eine Online-Fachbibliothek zu Spanien, Portugal und Lateinamerika, hat uns in einem tollen, dreidimensionalen Screenshot präsentiert.

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Die Superdemokraten

Sonntag, 16. Mai 2010

Eigentlich habe ich mich nie so doll für Südamerika interessiert. Ja, ich gebe es zu. Ich fand dieses linke Idealisierung eines gesamten Kontinents auf Che-T-Shirts, die bunten Strickbeutel mit Lama-Motiven, die folkloristische Panflötenmusik sehr anstrengend.

LosSuperdemokraticos_Logo_sw

Zum Glück denken meine Freunde anders, denn ich lernte die südamerikanische Kultur über meine Freunde in Berlin kennen, mit ihnen lernte ich Mate trinken, Cumbia tanzen, unpünktlich zu sein und sogar Spanisch: Danke an euch alle, Ed, Rery, Timo, Soffi!  (weiterlesen…)

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Girls blog too

Freitag, 30. April 2010

Annina Luzie Schmid hat mich interviewt, für ihre Serie über bloggende Frauen auf “Girls Can Blog”. Vielen Dank!

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Auch Akademiker tun es

Freitag, 29. Januar 2010

Einer US-amerikanischen Studie zufolge twittern in den USA „nur“ etwa 30 Prozent aller Lehrenden, schrieb Campus Technology im August 2009. Wie ist das in Deutschland? Wo ist die bloggende Uni, der twitternde Professor? Kurz: Wie nutzt die Wissenschaft das Netz?

Mich beschäftigt dieses Thema, weil ich mit Studierenden der Angewandten Literaturwissenschaft in diesem Semester ein Institutsblog entwickelt habe, Litaffin, das einerseits in Inhalte des Studiengangs Einblick gibt, aber auch über studentische Projekte und allgemeine Themen des Literaturbetriebs informiert. Ich fragte mich, ob auch andere akademische Institutionen in Deutschland twittern, bloggen, und ob sie ihre Lehrinhalte über soziale Plattformen verbreiten. Angeblich haben die Kulturjournalisten an der Uni München ein Blog, aber wo? Die Kulturjournalisten an der Uni München stellen auf Cult-Zeitung, der “Onlineausgabe der Kulturzeitung der Bayerischen Theaterakademie”, ihre Theaterkritiken online – aber ist das ein Blog? Das beste europäische Uni-Blog, auf das ich gestoßen bin, hat der niederländische Medienphilosoph Geert Lovink bereits 2006 mit Studierenden entwickelt: Masters of Media, ein Research Blog.

Wer suchet, der findet, auch in Deutschland. Die Anglistin und Historikerin Gaby Mahlberg (Universität Potsdam, HU Berlin) bloggt und twittertHelga Hansen, Studierende der Zellbiologie und Journalistin, betreibt den Unifunk an der Universität Osnabrück, der sich auch als Blog versendet. Cornelius Puschmann, Anglist an der Universität Düsseldorf, macht seine Gedanken zugänglich über eine Feed-Seite, mit Twitter, neuem und altem Blog. Schließlich versammelt Lars Fischer auf Scilogs verschiedenste Wissenschaftsblogs.

Über all diese Projekte und Erfahrungen möchten wir gerne auf der re:publica mit Interessierten und “Betroffenen” sprechen. Unser Workshop, so er denn ins Programm der Konferenz aufgenommen wird, stellt universitäre Web 2.0-Projekte in den USA, Großbritannien und in Deutschland vor und fragt nach dem Verhältnis informeller Netz-Genres wie Blogs zu klassischen Fachpublikationen. Wir suchen mit den Teilnehmern nach Strategien, wie Universitäten die sozialen Medien stärker nutzen könnten, um den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Gesellschaft zu verbessern. Mit dem Workshop starten wir ein Auch-Akademiker-tun-es-Blog, damit nach der Konferenz weiter über das Thema diskutiert werden kann.

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Theater-Blogger gesucht

Montag, 21. Dezember 2009

Blick zurück nach vorne: In diesem Jahr hat das Theatertreffen der Berliner Festspiele die langjährige Festivalzeitung durch ein Theatertreffen-Blog ersetzt und verlagerte somit die Förderung des Journalistennachwuchses ins Netz. Sechs junge Kulturjournalisten und ein Fotograf berichteten crossmedial über Stücke, sprachen mit Schauspielerinnen (etwa mit Tatort-Kommissarin Maren Eggert) und Promis, begleiteten Bühnenbildaufbauten (Hier und Jetzt, Marat), interviewten Regisseure (Volker Lösch, Christoph Schlingensief - Audio, Video -, Joachim Meyerhoff, Andreas Kriegenburg, Katie Mitchell, Martin Kusej und sogar den nicht eingeladenen René Pollesch), befragten Theaterautoren zur ihrer Arbeit, z.B. Franz Xaver Kroetz, Pierre Notte oder Oliver Kluck, berichteten über Diskussionen und Parties. Der Stückemarkt-Gewinner und Autor Nis-Momme Stockmann erzählte auf dem tt-Blog von seinem ersten Theatererlebnis: “Mein erstes Mal mit Antigone”.

Jetzt können sich wieder Theater-interessierte Bloggerinnen und Blogger bewerben, für das tt-Blog 2010 und das wichtigste deutschsprachige Theaterfestival, das Theatertreffen 2010, online begleiten. Mehr Informationen hier.

Eröffnung mit Medienpartnern_480

Feierliche Freischaltung des tt-Blogs 2009 mit Medienpartnern, einige sind sogar im Bilde. Von links nach rechts: Nicole Gronemeyer, Theater der Zeit, David Hugendick und Adrian Pohr, ZEIT ONLINE. Nicht zu sehen ist Dirk Pilz, Berliner Zeitung. Und icke in der Mitte. Foto: Jan Zappner

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Wo sind die bloggenden Frauen?

Montag, 7. Dezember 2009

Die Datenschutz-Expertin Anne Roth fragte sich das Ende November auf ihrem Blog annalist: Warum gelten nur männliche Blogger wie Stefan Niggemeier, Markus Beckedahl, Sascha Lobo als “Alpha-Blogger“? Wo sind die Frauen?? Fehlt ihnen der Ehrgeiz, auf Rankings aufzutauchen, widmen sie sich zu vielen diversen Themen, so dass sie sich verzetteln, ist Frauen die Aufmerksamkeit nicht so wichtig? Kommunizieren sie klein, also zu leise? Saßen sie deshalb bei der re:publica 2009, der Berliner Blogger-Konferenz, nur auf einem Panel, dessen übergreifender Titel den Schluss nahelegen konnte, Frauen bloggten nur über Babykotze? Sind sie zu schlecht vernetzt? Letzteres lässt sich leicht ändern, daher verlinke ich hier meine Erkenntnisse über Frauen im Netz. Andere Link-Listen, als Reaktion auf Anne Roths Blogpost, gibt es natürlich auch schon, nämlich hier und hier. Sozial-medial haben sich die Bloggerinnen schon vernetzt, untereinander, als Girls on the Web-Facebook-Gruppe (Join us!) und als Twitter-Liste, z.B. vom Fräulein Tessa.

Ich lese die Frauen alle sehr gerne, allerdings schreiben viele dezidiert mit feministischem Ansatz. Ist das für die Blogosphäre uninteressant? Kann ja eigentlich nicht sein, denn sie besteht auch aus lesenden Frauen. Müssten andere Themen stärker aufs Parkett? Wo sind die politischen, ökonomischen, kulturellen Bloggerinnen? Wo die Sport-Blogger? Die Theoretikerinnen? Die Online-Journalismus-Weiterdenkerinnnen? Die Investigativen? Die Globalen? Etc?

Die gute Nachricht ist: Über all das schreiben Frauen bereits, aber meist versteckt zwischen anderen Inhalten. Und selbst, wenn Bloggerinnen sich für ein bestimmtes Thema einsetzen, schreiben sie weniger mit dem Anspruch, sich auf ein Spezialistentum zu begrenzen, Meinungsführung zu geben, ihr Ego zu polieren. Sie schreiben weniger aufgeregt, weniger netzpolitisch, weniger aggressiv. Vielleicht machen sie das Netz ruhiger. Differenzierter?

Bildet euch einfach selbst eine Meinung, bringt ein bisschen Zeit mit und lest mehr Frauen! Hier ist meine subjektive Auswahl (die sehr gerne ergänzt werden kann). Achja, Frauen sind ja auch immer so krass subjektiv.

Das Gruppenblog der Mädels (plus einen Mann) von der Mädchenmannschaft (Susanne Klingner, Verena Reygers und andere) wurde 2009 für den Grimme Online Award nominiert. Ist wahrlich kein Geheimtipp, aber ein gut funktionierendes, oft heiß diskutierendes Blog. Um ähnliche Themen, aber mehr Philosophie, ein bisschen Religion, eine eher akademische Perspektive gehts bei Antje Schrupp. Ihre Webseite sieht etwas chaotisch aus, nicht abschrecken lassen. Aktueller Text “Kann eine Feministin fromm sein?” Es lohnt sich durchaus, darüber in der Vorweihnachtszeit einmal nachzudenken.

Mercedes Bunz ist nach ihren Stationen beim Berliner Stadtmagazin zitty (Chefredakteurin) und beim Tagesspiegel Online seit August 2009 beim Guardian Online in London als Technology Reporter eingestiegen. Damit ist sie auch eine der wenigen deutschsprachigen international wahrgenommenen Bloggerinnen – die Frage ist bloß, ob man sie überhaupt als Bloggerin bezeichnen kann? Eine andere redaktionell angebundene Schreiberin, Teresa Bücker, ist Social Media Managerin bei Freitag.de (bis vor einiger Zeit nannte sich ihr Job noch “Community Management”). Sie hat ein eigenes Blog zum Thema Girlism, sehr lesenswert, vor allem, wenn man sich für karierte Klamotten, Popkultur und Feminismus interessiert. Die Klassikerin unter den Netz-Schreiberinnen ist wohl Katrin Passig von der ZIA (Zentrale Intelligenz Agentur). Sie bloggt manchmal auf Riesenmaschine und verfasst eine ”Internetkolumne” im Merkur, einer gedruckten Zeitschrift, oho. Dass sie 2006 den wichtigen Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten hat, weiß jede, oder?

Auch Professorinnen bloggen, nämlich Miriam Meckel, die Freundin von Anne Will. Sie unterrichtet an der Universität St. Gallen Corporate Communication und ist dort Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement. Ihr Blog hat seit kurzem ein schickes neues Design und bietet saisonal sogar einen Adventskalender für ihre Leserinnen und Leser. In diesem Kontext kann ich endlich meine Frage loswerden, warum es in diesem Jahr eigentlich so viele digitale Adventskalender gibt (z.B. auf radio eins, bei Drama Köln)? Ich stelle nachmittags jetzt immer ein Teelicht neben mein Laptop, das schafft auch relativ viel Stimmung, besonders, wenn sich mal eine Seite nicht so schnell lädt – wegen der Adventsdownloads.

Die einzige Bloggerin, die von der Blog-Anzeigenplatz-zu-verkaufen-Gesellschaft Adnation vermarktet wird, heißt Franziska Bluhm. Sie hat auf ihrem Blog (Franziskript) gerade die Blogger des Jahres 2009 aufgelistet. Darunter ist interessanterweise nur eine Frau, nämlich Happy Schnitzel (Susanne Reindke) mit ihrem Twitterfeed. Adnation wurde im Übrigen von Sascha Lobo, Max Winde, sowie den Spreeblick-Gründerinnen Tanja und Johnny Haeusler gerufen, Tanja Häusler bloggt hier. Das kultigste berlinische Fotolog, Stil in Berlin, macht die Fotografin Mary Scherpe – es wird auch von ZEIT ONLINE unterstützt, also: verlinkt. Über Musik, Kunst, manchmal auch über Theater, bloggt Mary auf ihrem Textblog Quite contrary. (Ich hatte mich hier vertippt und Textlblog geschrieben; und dann mal schnell gegooglet: Textlblog ist noch frei! Falls eine von euch noch einen Namen sucht…)

Zum Abschluss etwas typisch Bloggiges, nämlich Geschichten aus dem Alltag, in diesem Fall von Madame Modest. Und der Nachwuchs: Eva Lautsch, die Stadtpiratin, bloggt über ihr Jurastudium, Mode, Recht, Feminismus und viele, viele andere Dinge, z.B. Kapitalismuskritik und Bücher.

Von wegen, es gibt keine spannenden Bloggerinnen!

Postscriptum: Offline-Lesetipp Missy Magazine! Glückwunsch zum 1-Jährigen! Es wird in Hamburg von engagierten Frauen (z.B. Chris Köver) gemacht. Es liest sich in etwa so: Popkultur, Frauen, aber auch neue Familienmodelle, Vorbilder, Do-it-Yourself-Basteltipps, ökologische Turnschuhe, … Erst wenn man dann wieder ein “normales” Magazin liest, fällt einem auf, wie wenig Frauen “normalerweise” vorkommen.

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