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Sylvia Plath

Auf dem Lyrikerstammtisch neulich endlich jemanden (Mikael Vogel) getroffen, der auch Sylvia Plath liest. Darüber meine alten Übersetzungen ihrer späten Gedichte aus dem Jahr 1963 herausgekramt und überarbeitet. Eines der Gedichte, Words, ist das, was wie kein anderes Sprache, Klang, Gewalt, Erinnerung, Natur, Körperlichkeit überblendet. Wörter wie Äxte, ja, so ähnlich sagte es schon Kafka, der forderte, die Literatur müsse sein wie die Axt für das gefrorene Meer in uns. Sylvia Plath lässt die Wörter wie Äxte in die Welt knallen, aber die Wortbedeutungen galoppieren mit dem Schall durch den Wald davon. Es bleibt der Nachhall, der Einbruch in die Wirklichkeit. Ein sehr rhythmischer und neurologischer Zugang zu dem Material des Gedichts. Heute weiß man, dass Geräuschschocks eine Art Erinnerungskerbe im Gehirn hinterlassen. Ja, und multisemantisch ist dieser Zugang auch, denn wie die Ringe im Wasser sich ausbreiten, so breitet sich der Schall aus in alle Richtungen. Das Zentrum ist die Setzung, die Wirkung ist eine fortlaufende konzentrische Bewegung. Die “fixed stars”, dieser Neologismus, enthält dann schließlich auch wieder unzugänglichen Sinn, aber diesmal hermetisch, etwas fast Romantisch-Unerreichbares, brutal verschlossen: Sterne im Firmament, das ist etwas Urpoetisches, aber hier dienen sie nicht etwa als Fixsterne  der Orientierung, sondern ganz schnöde der “Feststellung” als festgezurrte Natur. Die wiederum als bloße  Wiederspiegelung das Leben lenkt. Weitere Anmerkungen erwünscht!

Wörter

Äxte
nach deren Schlägen der Wald schellt,
und die Echos!
Echos, vom Zentrum austrabend
wie Pferde.

Der Saft
quillt wie Tränen, wie das
Wasser, das seinen Spiegel
über dem Brocken wiederherstellen
will.

Er tropft und wankt,
ein weißer Schädel,
von Moosgrün zerfressen.
Jahre später
treffe ich sie auf der Straße wieder –

Wörter, trocken und unberitten,
das unermüdliche Hufeklappern.
Während
fixierte Sterne vom Beckengrund aus
ein Leben regieren.

Co-Working schreibt man mit Bindestrich

Der erste Mai gibt traditionell den Medien Denkaufgaben zu der Lage der Arbeit in unserem Lande. Der Tagesspiegel veröffentlicht heute als Aufmacher des Kulturteils meinen Text unter dem guten Titel “Heraus zum ersten Mal”. Er wurde leider, aber natürlich sehr elegant, gekürzt. Die vollständige Version gibt es jetzt hier zu lesen, mit ein paar Links, die gibt es beim Tagesspiegel nämlich fast nie. Blogs als Service, ich sags ja. Die Frage, die ich mir gestellt hatte, war: Wenn Arbeit durch die neuen Medien immer körperloser wird, wie arbeiten wir dann zusammen?

Als ich noch bei einer Medienorganisation fest angestellt war, sagte einer meiner Kollegen manchmal, wenn wir uns vor der Kaffeemaschine trafen: „Ich mache heute Facetime.“ Dabei grinste er verschwörerisch und rührte Zucker in seine Tasse. Facetime, das ist das Codewort für: den Job absitzen, die Stechuhr rattern lassen. Körperlich anwesend sein, um auf die Stundenzahl zu kommen, die der Arbeitsvertrag verlangt – aber geistig abwesend. Ein Entspannungsmoment, der, wenn er zum Normalzustand wird, zur unproduktiven „inneren Kündigung“ verkommt.

Den aufrührerischen Unterbau dazu, der ein Bestseller wurde, schrieb vor ein paar Jahren Corinne Maier, leitende Angestellte in einem französischen Energiekonzern. Ihr Lob der Faulheit, „Bonjour Paresse“, 2005 auf Deutsch erschienen, rief dazu auf, sich durchzuschlawinern, Fünfe gerade sein zu lassen, sich bloß nicht für die Firma den Rücken krumm zu machen, denn die Firma sei nicht das Leben. Das Leben sei da draußen, woanders. Das gilt auch für die sich selbst ausbeutenden Selbstständigen. Der Kurator Chris Dercon schlug 2010 in einem vielbeachteten Interview in der Kunstzeitschrift Monopol in Anlehnung an eine Ausstellung von Ruth Noack, Schlaf als subversive Protesthaltung vor: „Irgendwo muss man anfangen, wenn man kein Zombie sein will. Warum fallen eigentlich alle vom Stuhl, wenn man das sagt?“

Im Mittelhochdeutschen verstand man unter „arebeit“ vor allem Mühe und Not. Auch heute klingt Arbeiten nach Strapaze, nach einer unangenehmen Verpflichtung, muss halt sein, Miete, Essen und so. Doch wer macht sich überhaupt noch buchstäblich den Rücken krumm? Der Buckel schmerzt vor allem vom Sitzen auf dem ergonomischen Bürostuhl. Vielen schmerzt die Seele: Unter Angestellten haben Depressionen und Burn-out von 2007-2009 um 46 Prozent zugenommen, der Leistungsdruck ist Schuld.

Was für ein Dilemma: Die einen sind die „Festen“ in Verlagen, Stiftungen, Firmen und werden krank vor Stress und Konkurrenzangst. Die anderen sind die „Freien“, Journalisten, Designer, Autoren, Berater. Auch sie werden krank vor Stress und Konkurrenzangst. Dabei hätten sie, als Flexible, Unabhängige die Möglichkeit, Arbeit anders umzusetzen. Das Problem: Sie sind unsichtbar, ihre Körper verstreut. Aber die Unsichtbaren werden immer mehr. weiterlesen »

Wilde Subjekte!

super-buch-II1-525x393Ist das ein Vogel oder ein Flugzeug, vielleicht ein LKW der BSR… Nein, Los Superdemokraticos sind hier mit ihren ultimativen, getränkten Papierstückchen für die Bewusstseinserweiterung aller unserer frei-willigen Konsumenten.

Wir nennen uns kurz: LSD, und mit maßgeschnittener Drogenherstellung und Drogenhandel haben wir eine Nische im Markt entdeckt. Wir nennen das: intellektuelles Fairtrade!

Wir gehören einer Gemeinschaft von Wild…en Lesern, Literatur-Aktivisten, politischen Subjekten an, weltweit… Menschen, die denken, dass man vor allem über das freie Lesen und den Kulturkonsum Demokratie bauen und nachhaltig machen kann. Weil Menschen überall die wichtigste Ressource sind. Von Facebook bis auf unserem Blog, von Mexiko über Venezuela, Deutschland, Irak oder Israel… aus mehr als zwölf Ländern rufen wir in unseren zwei Sprachen sehr laut:

„Heiße Texte! Internationale Newcomer! Krasse Rhythmen! Verbalterroristen! Hübsche Ärsche! Wilde Subjekte!” Und jetzt ihr: „Wil-de Sub-jekte!“

Schrei mit uns, am liebsten persönlich am Dienstag, 26. April, ab 20.30 Uhr im Monarch, Skalitzer Str 134, Berlin: Lesung mit Nora Bossong, René Hamann, Pedro Alexander Bravo, Rery Maldonado und Nikola Richter. Danach psychedelische Disko mit den DJs Yungas (Funk, Latino Groove) und Koalblao (Psychodelic Wildstyle).

Willkommen auf unserer Verbrecher Versammlung!
Eintritt 4 Euro.

Blogs in den Sozialwissenschaften

Ein kollaborativer Bericht vom Berliner Theorieblog-Workshop am 9. April 2011

Wie wichtig sind Offline-Aktivitäten für Blogs? Das Ergebnis des Workshops, zu dem das Team des Theorieblogs am 9. April an die Humboldt-Uni eingeladen hatte, war eindeutig: Offline ist – trotz aller Blogeuphorie – unersetzbar. Rund 15 BloggerInnen (plus sieben TheoriebloggerInnen) folgten der Einladung, sich über das eigene Tun auszutauschen und sich nicht nur virtuell, sondern auch ganz klassisch zu vernetzen. Drei thematische Blöcke – 1) Was macht einen guten Blogbeitrag aus? 2) Blogs und ihre Leser 3) Blogs und Öffentlichkeit – strukturierten den Tag. Doch in den Diskussionen zeigte sich schnell, dass die drei Themen kaum voneinander zu trennen sind und um eine übergreifende Fragestellung kreisen: Wie verorten sich (Wissenschafts-)Blogs im Spannungsfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit, wie und mit welchem Ziel bloggen wir?

Blogs zwischen Wissenschaft und politischem Kommentar

Das geteilte Bedürfnis nach Selbstvergewisserung förderte jedoch ganz unterschiedliche Haltungen und Perspektiven zu Tage. Die eigene Verortung zwischen wissenschaftlichem und öffentlichem Diskurs wurde unterschiedlich definiert. Ulrike Spohn (Theorieblog) eröffnete den ersten Part mit dem Vorschlag, wissenschaftliches Bloggen als wissenschaftsaffines Bloggen zu begreifen und dabei sehr bewusst zwischen der eigenen Rolle als WissenschaftlerIn und BloggerIn zu unterscheiden. Sie plädierte dafür, Wissenschaftsblogs nicht als Plattform zur Veröffentlichung wissenschaftlicher Texte im Internet zu verstehen, sondern als Chance, das anspruchsvolle Schreiben jenseits wissenschaftlicher Standards zu erproben. Dabei könne und solle es durchaus das Ziel eines Wissenschaftsblogs sein, zwischen wissenschaftlicher Strenge und essayistischer Kreativität zu vermitteln, doch das funktioniere nur, solange die Welten getrennt blieben. weiterlesen »

Manifestos!

Wenn Gruppen sich zusammentun und zusammenschreiben, entstehen hier und da Manifeste. Manifest-Großeltern Marx und Engels würden sich bestimmt freuen, dass das politisch-literarische Fordern wieder auflebt: “Ein Gespenst geht um in Europa, es ist der Manifestismus“. Meine Mini-Analyse für den Guardian liest sich hier.

The return of sorry

Germany’s resigned defense minister zu Guttenberg has apparently just sent an apology letter to all research assistants in the German Bundestag. From material they had put together for him as part of the governmental service, he had copied without quoting them, and thus produced a mash-up of a more than 400 pages long dissertation. A week ago he apologised publicly, saying sorry for having made mistakes after weeks of public debate about plagiarism, honesty and academic standards. A few days before, in his defense speech in front of the German government, still not ready to leave his post, he had been so audacious proposing that his humble behaviour of saying sorry could serve as a model for everyone in this country. So: Is there a come-back of saying sorry? What if, in this world of ever so many possiblities, we cannot count on our acts anymore? If there is no point of reference anymore to stand on, we need to at least be honest when we have made a mistake, zu Guttenberg seems to say. His philosophy is simple: Replacing decent action with a decent apology.

What for? Let me guess, that he wants to step back onto the political stage again in a few years time as a remorseful refined man. The first step on a new path is a hearty sorry. And this, as we know, is the common dramaturgy be it in old myths or in new blockbusters. The fallen hero embraces his faults and can then return, shimmering with new credibility. Stronger than before, better than before. Bigger, brighter, unvincable. This is why zu Guttenberg in his abdication speech quoted (without naming the source, of course) from Star Wars “The Wrath of Khan”. The story of Khan goes like this: a genetically modified Uber-Mensch leaves his exile and then returns, seeking revenge.

The only difference: Politics is not an epic art world, you cannot cut out stupid scenes or badly written paragraphs and rewrite the piece. Life is not based on a movie script, neither political life. You cannot say: “Oh, I’m sorry, I just wasn’t sure when signing this contract about 10 nuclear power plants, I apologise for it.”

But maybe we cannot draw the line anymore, between fake and fiction. A phrase regarding contraception, another form of prevention, comes to my mind. “Better to be safe, than sorry.” Better to think and reflect about your actions, before saying sorry.

Lila und gelb

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Ich habe mal wieder einen Schreibtisch im Haus der Berliner Festspiele bezogen, ich, die moderne Wanderarbeiterin. Von hier beackere und besiedele ich nun mein aktuelles Feld, das Theatertreffen-Blog 2011. In diesem Jahr ist so einiges anders: Wir suchten vor allem Kulturblogger und wollen damit die Kulturdebatten im Netz, die schon vielerorts stattfinden, bündeln und stärken. Und wir bloggen schon im Voraus, bevor das Festival im Mai beginnt, direkt von den Büroetagen aus, von dort, wo die Veranstaltungen geplant, diskutiert und koordiniert werden. Daher ist das tt-Blog nun schon im März im neuen Gewand zu sehen, in den Farben lila und gelb. Die Vorfestival-Phase hat begonnen.

Der erste Gastbeitrag kommt von Iris Laufenberg, der Leiterin des Theatertreffens. Pünklich zum Frauentag fragt sie sich, was der uns eigentlich brachte, in den 100 Jahren, die er in diesem Jahr Geburtstag feiert.

Sobald die Blogger feststehen und das Plakat, ändert sich das Blog noch einmal und betritt die “Festival-Phase”.

Floristisches Emoticon

Wie gratuliert man eigentlich einem Blog? Kommentare schreiben, floristische Emoticons  wie dieses hier >— entwickeln, überall verlinken? Ich versuchs mal mit einer kleinen Blog-Umschau und Presseverlinkung:

Im Februar feierten Studierende des Masterstudiengangs Angewandten Literaturwissenschaft, in welchem ich einen Lehrauftrag für das Modul “Neue Medien” habe und in meinen Seminaren praktisch und theoretisch kulturelle und literarische Netzthemen sowie Grundlagen des Bloggen vermittle, den 1-jährigen Geburtstag ihres Literatur- und Literaturbetriebsblogs Litaffin. Ich freue mich sehr über den universitären Pressewirbel, der um dieses Blog entstanden ist: Interview im Studierenden-Magazin Furios – was übrigens wirklich ein sehr gut gemachtes Magazin ist, mit einer durchdachten Themendramaturgie, Interviews, Meinungstexte, Kolumnen, Reportagen, Veranstaltungstipps, und einem eigenem Blick auf das Hochschulleben (Massenuni ist das aktuelle Thema), und Bericht auf campus.leben, dem Online-Magazin der Freien Universität.

Sehr lesenswert auf Litaffin finde ich die thematischen “Blog-Rundschauen”, eine zu E-Books, eine aktuelle zu Buchcovern.

Weitere universitäre Webprojekte an der FU sind das Magazin 360 Grad, das “studentische Magazin für Politik und Gesellschaft”, das Blog Notes of Berlin, in welchem ein FU-Student seine Fotos von urbanen Kleinanzeigen hochlädt (Tipp über Gisela Gross), die FU Userblogs, in denen Wissenschaftler ihre Forschungen vorstellen können. Allerdings scheint das kaum jemand zu nutzen, die Blogroll enthält nur vier Blogs, von denen zwei schon stillgelegt sind sind. Und schlussendlich das Blog von Elke Brüns, wissenschaftliche Mitarbeitern an der FU: Sie bloggt über kulturelle und soziale Konstruktionen von Armut auf Gespenst der Armut. Ein klares, kluges Themenblog.

Wer noch andere FU-Blogs kennt: Weitere Hinweise sind sehr willkommen!

Frühjahrsrundschau

Superdemokraticos Orange CoverMein Frühling ist einer mit vielen Seiten. Ja, gedruckte Seiten. Es erscheint das Superdemokraticos-Buch, das Rery Maldonado und ich zusammen herausgeben, im Verbrecher Verlag, worauf wir unglaublich stolz sind: Kurzessays von 26 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und Lateinamerika und dazu auf mehr als 20 Seiten das ultimative superdemokratische Glossar von “Aktivismus, einsamer” bis “Zungen”, Wörter, die die superdemokratischen Autoren zur Beschreibung unserer super-vernetzen Realität benutzen und definieren. Wir sind überzeugte Anhängerinnen von literarischem Aktivismus, die Idee dahinter veröffentlichen wir bald auf unserem Blog. Alle Hippies von Berlin laden wir herzlich zu unserer Buchpremiere in die Verbrecher-Versammlung im Monarch, am 26. April, 20.30 Uhr ein, zur LSD-Party. Wer psychedelisch gekleidet kommt, erhält freien Eintritt. Nach der bewusstseinserweiternden Lesung gibts psychedelische Musik von den DJs Koalblao und Patx. Vorher stellen wir uns der Leipziger Öffentlichkeit vor: Wir lesen am 17. März von 11-12 Uhr auf der Leseinsel der Jungen Verlage, Buchmesse.

Konfliktkulturen Cover

Damit nicht genug, denn noch ein Manuskript erblickt bald das Licht der Regale: Ich habe, unterstützt von René Hamann, einen Essayband redaktionell geplant und lektoriert, der im April im Steidl Verlag erscheint, herausgeben vom Goethe-Institut und dem Institut für Auslandsbeziehungen. Die Buchpremiere zu den “Konfliktkulturen” findet am 12. April in der ifa-Galerie, Linienstr. 139, Berlin statt. Ich moderiere das Gespräch zwischen zwei Autoren des Buches, der Choreographin Helena Waldmann und dem Autoren Hamed Abdel-Samad, sowie dem Generalsekretär des ifa, Ronald Grätz und Christoph Bartmann, Leiter der Abteilung “Kultur und Information” im Goethe-Institut. Der zweite Band ist bereits in Planung, er erscheint im Herbst, auch bei Steidl.

Auch journalistisch hab ich mich ein wenig betätigt: Ich habe den jungen Deutsch-Ägypter Ramy Mostafa porträtiert, der mir bei den Berliner Demonstrationen zur Solidarität mit den ägyptischen Protesten auffiel, im Freitag und auf Superdemokraticos. Und wer lieber Lyrik mag: In der Neuen Rundschau 4/2010 erschienen meine Übersetzungen eines Gedichtzyklus der argentinischen Autorin Cecilia Pavón “Ein Gedicht mit 27 Namen”, einige meiner neuen Gedichte sind im Poet Nr. 10 zu lesen.

Jetzt aber Schluss mit dem Werbeblock. Aktuelle Leseempfehlungen: Herfried Münkler über “Nachbarschaft, Freundschaft, Partnerschaft” im Merkur. Und natürlich Tschick, der großartige Road-Roman von Wolfgang Herrndorf, im Interview erklärt der Autor seine lässigen Formatwechsel (mal Jugendroman, mal Thriller, mal Science Fiction) in der FAZ.

Asma Mahfouz

Diese mutige, junge ägyptische Frau rief zur Demonstration auf: “Kommt alle am 25. Januar auf den Tahrir-Platz, tut etwas Positives, bringt fünf bis zehn Freunde und Bekannte mit. Wir wollen nichts außer unsere Menschenrechte einfordern.” Sie erwähnt, dass sich bereits, ähnlich wie in Tunesien, vier Menschen verbrannt haben und dass die nationalen Medien jeden, der aus Protest in den Tod geht, als Psychopath bezeichnet wird. Sie fragt: “Wenn sie Psychopathen waren, wieso verbrannten sie sich dann vor dem Parlament?” Mich wundert, dass dieses Video erst 1.377mal angesehen wurde. Ich glaube, es ist es eine neuere Version des Originals, mit englischen Untertiteln, da auch die nicht-arabische Welt die Entwicklungen gebannt verfolgt.

eurotopics sammelt hier die Links zu den Meinungen der europäischen Presse zu den Unruhen und Protesten in der arabischen Welt. Dass die europäischen Regierungen, insbesondere Tony Blair, der einen “stabilen Wechsel” in Ägypten fordert und damit einen Kompromiss mit dem Mubarak-Regime, sich nicht voll und ganz hinter das Aufbegehren der Bevölkerung stellen, findet der slowenische Philosoph Slavoj Zizek im Guardian scheinheilig. Er will Mubarak vor dem Europäischen Menschengerichtshof in Den Haag sehen.

Er schreibt:

Nichts fällt dem Beobachter der Unruhen in Tunesien und Ägypten mehr auf als die verdächtige Abwesenheit der islamischen Fundamentalisten. Die Menschen protestierten in der besten säkular-demokratischen Tradition gegen ein unterdrückendes Regime, gegen Korruption und Armut, sie verlangten Freiheit und wirtschaftliche Hoffnung.

Weltweit haben sich schon Hunderttausende der virtuellen Solidaritätsbekundung, dem virtuellen “March of Millions” auf Facebook angeschlossen.